„Liebe Frau Albers, sparen Sie eigentlich beim Bio-Food?“

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Nehmen Sie den billigsten Tofu? Ist billiges Bio eigentlich besser als das teuerste Nicht-Bio?

Lieber Herr Klug,

erst ein­mal: Welch Freude, dass Sie Schwarz einges­part haben, in dem Sie kurze Anzüge tru­gen. Das ist ja schon mal was. Vor allem: Was für ein Anblick. Wenn das ein­er tra­gen kann, dann Sie. Und wie gut, dass Sie alles angedacht haben, was an Schwarz böse sein kön­nte – jede poli­tis­che Unko­r­rek­theit. Aber. Aber – und da muss ich wirk­lich tief Luft holen, viel städtis­chen Fein­staub inhalieren – Sie schreiben, wenn Sie mein Mann wären, wür­den Sie den­noch „Zum kleinen Schwarzen rat­en, statt zum lab­bri­gen Roten“. Äh? Wie bitte? Eine Frau also lieber im gifti­gen, hot­ten Fum­mel, als in einem fairen, stylis­chen, fließen­den (so nen­nen wir Frauen das, Lab­briges tra­gen wir nicht), roten Kleid. Giftig und antifem­i­nis­tisch – das nen­nen Sie Ästhetik? Also, echt!

Nun aber weg vom Neben­schau­platz, zurück zur geisti­gen Ästhetik, zur Umwelt und zu Ihrer Frage.

maisfeld sonne draussen

Von der Sonne beschienen­er Mais: Bio oder etwa nicht?

Die Sache ist komplex …

Wie ich einkaufe? Ob ich bil­liges Bio kaufe? Den bil­lig­sten Tofu? Klein­er ging’s nicht? Das alltägliche Gehuz­zle – das riesige Fass? Sie merken, ich habe noch Schnap­pat­mung. Würde ich Yoga machen, wäre jet­zt eine Atemübung dran, ein Ommm. Ich rauche lieber erst­mal eine. Mmmh. Die Sache ist kom­plex und ver­mut­lich erhof­fen Sie sich, wie ich von verzweifel­ten Auftrit­ten im Super­markt berichte: „Ähm, eh, lieber den Bio-Apfel aus Übersee oder den gekühlten aus dem Ham­burg­er Umland?“

weintrauben rot hand dunkel

Auch so eine Frage: Dür­fen Bio-Trauben, wenn sie einen weit­en Weg hin­ter sich haben, in den Korb?

Oder wie ich gestresst durch die Straßen radele, um bloß das Richtige, das Vertret­bare zu erschwin­gen. Und das dann hier mit aktuellen Stu­di­en und The­o­rien krampfhaft ver­suche zu bele­gen. Nö. Sie selb­st sagten ja mal, Sie hät­ten nichts gegen die Nach­haltigkeit, aber das sei alles so umständlich, so anstrengend.

Die Welt lässt sich nicht an der Kasse retten.

Ist über­haupt nicht der Fall. Ich habe sog­ar eine ent­las­tende Antwort parat, die Ihnen als beque­mer Men­sch gefall­en dürfte: Die Welt lässt sich nicht an der Kasse ret­ten. Im Bio­laden auch nicht. Ich mei­de nur Fir­men, deren Geschäfte ich wirk­lich ablehne. Das sind tat­säch­lich ein paar Dis­counter und Fir­men, die Fleisch pro­duzieren, statt Tiere zu hal­ten. Oder Unternehmen, die der Men­schheit das Wass­er klauen.

gewicht waage einkaufen lebensmittel

Nicht jedes Argu­ment auf die Gold­waage leg­en. Manch­mal dür­fen es auch Lebens­mit­tel aus dem Super­markt sein.

Der Rest kommt, wie er kommt. Mal bio, mal vom Erzeuger, mal von Fre­un­den und auch aus dem ordinären Super­markt. Mein gedanklich­es Grun­drauschen dabei: Region­al, saison­al, nicht zu viel Fleisch, gute Dinge, bas­ta. Bio ist ein Siegel, keine Rettungsstrategie.

Falls Sie das jet­zt ent­täuscht: Die Welt lässt sich ja trotz­dem ret­ten, wenn man will. Sich aufre­gen hil­ft zum Beispiel. Etwa hier. Über den anhal­tenden Irrsinn all der eingeschweißten Bio-Produkte. Über noch im Jan­u­ar ange­botene Kirschen. Über Schweine­hochhäuser. Und oben­drein: über Arbeitsbedingungen.

Wie Sie sich aufregen, ist mir egal.

Alles nicht neu, aber lei­der nicht ver­al­tet. Wie Sie sich aufre­gen, ist mir egal. Sie kön­nen von mir aus ein Schwein­hochhaus auf Ihr besagtes weißes Hemd druck­en. Noch mehr hil­ft, sich gemein­sam aufzure­gen. Und auch das ist ja heute ganz sutsche möglich. Sie müssen schon lange nicht mehr durch die Stadt laufen und dabei wild mit Plakat­en wedeln. Bloß: Klick-Klick – kurz mal die Peti­tion gegen das Schwein­hochhaus unterze­ich­nen. Die läuft noch … Das schaf­fen sog­ar Sie!

Und die Sache mit dem Tofu – fast egal ob nun bil­lig oder bio oder bil­liges bio, die erk­läre ich Ihnen ein ander­mal. Nicht, dass es wieder heißt, ich würde hier großflächig ein schlecht­es Gewis­sen versprühen …

Und da Sie ja mit Ihrer schein­bar alltäglich harm­losen Ernährungs­frage so ein Fass aufgemacht haben, mache ich mal eine Tonne auf – näm­lich Ihre: Herr Klug, haben Sie noch einen Abfalleimer?

Nach­haltig, vorhaltig, hirn­haltig und den­noch her­zlich, Ihre Oda Albers

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Feierabendglück – Kochbuch in a box

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Regionale & saisonale Lebensmittel, Bio-Lebensmittel und Öko-Landbau. Gesund für dich und die Umwelt. Mit dieser Vision im Kopf beschäftigt sich das Team von Feierabendglück jeden Tag aufs Neue, um somit gegen die Klimaerwärmung zu wirken. Durch das neue Kochbuch (in a box) soll die industrielle Landwirtschaft gestoppt werden und der Außenwelt eine regionale, saisonale und gesunde Ernährung ans Herz gebracht werden. Ganz neu für die kalte Jahreszeit hat das Team gerade gemeinsam mit dem jungen Münchner Küchenmeister Gernot Vigo 16 neue Winterrezepte entwickelt. Hier bekommen Pastinake, Schwarzwurzel, Topinambur, Chinakohl, Radicchio oder Grünkohl ihren großen Auftritt und zeigen wie abwechslungsreich die regionale…

Oda Albers ist freie Journalistin, Textchefin, Hamburgerin, aus dem Vorort Geflüchtete und kann sich in ökosoziale Themen reinsteigern wie sonstwas, deshalb entwickelte sie mit Kollegen auch 2009 das Wirtschaftsmagazin "enorm"...

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