Klischee: „Nachhaltigkeit ist nur was für Ökos und Hippies“

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Häh!? Der Planet gehört doch allen – nicht nur den Ökos und Hippies. Auch Trump. Überhaupt: kurz mal Nachrichten anmachen – sind die Hippies das Problem? Nicht so. Oder andersrum: Ist das denn ein Schimpfwort? Du Öko! Du Hippie! Gut, war es früher. Die Band „Die Goldenen Zitronen“ sang sogar mal: „Soll´n doch eure Kinder Hippies werden…“ Die Lösung in dem Lied – also besser als Hippie – und so lautete auch der Song: „Für immer Punk!“

Ich tippe aber mal, dass die Menschen, die heute noch bei Nachhaltigkeit an Hippies oder Ökos oder Ökohippies denken, nicht unbedingt stattdessen Punk sein wollen. Und außerdem sind die wenigen echten Punks da draußen heutzutage meistens auch recht öko-veggie unterwegs.

Die Wahrheit über den Ökospießer

Aber okay, gehen wir dem Klischee auf den Grund: Ja, die Ökos und Hippies hatten keinen so dollen Ruf, weil sie solche Spielverderber waren. So nervig moralisch, so schlecht naturtrüb angezogen, so faltig freudlos, so korrekt verbiestert. So ist es ja auch zu dem Wort „Ökospießer“ gekommen. Engstirnige Klugscheißer, die einem den Appetit verdarben, vom Frischkornbrei pupsten, während dazu im Hintergrund weltmusikalisches Ukulelengedudel lief und die morgens Deo benutzten, dass bloß bis mittags hielt und in der kurzen Zeit roch es wie Mückenspray. Das allergemeinste aber war: Sie hatten ja irgendwie Recht. Und dennoch: So wollte man nicht sein, will man immer noch nicht.

Nachhaltigkeit = sexy

Es ja nun aber so, dass es nichts nützt. Die Philosophie der Ignoranz gelingt zwar noch zahlreichen Menschen, aber man muss schon vehement nichts hören, sehen, lesen, um die Sachlage so gar nicht mitbekommen zu haben. Also hier der Versuch, es für die Popper (Ja, Popper, erwachsene Popper seid Ihr, die das sagt!) mal unanstrengend poppig auszudrücken: Nachhaltigkeit ist was für Checker. Und Checker sind sexy, weil ja Geist geil ist. Und Dummheit nicht so sehr. Die Checker haben begriffen, dass das ohne Nachhaltigkeit alles nichts wird. Weltlage und so. Nur ein einziges Beispiel, damit es ja nicht zu anstrengend wird: Wir können nicht den Nordafrikaner die Fische wegfischen, also die Nahrung wegnehmen und ihren Job (Fischer) gleich mit und uns dann wundern, dass die Fischerboote nun rübermachen. Gecheckt? Deshalb: Nachhaltig Fisch konsumieren, wie das geht, weiß etwa der WWF.

Weg von den Klischees, her mit der Realität

Und zum Anderen tüfteln die Checker ja nun schon seit Jahren und Jahrzehnten daran, das nachhaltig sinnvolle Leben für uns freudvoller, ästhetischer und lebbarer zu machen. Auf ganz unterschiedliche Weise: Die Designerin Stella McCartney kommt ohne Leder aus, die Kosmetiklinie „Hej Organic“ gibt es sogar bei Douglas, knackiges Biogemüse liegt im Supermarkt. Kein Mensch muss mehr zu Erleuchteten in Patschulihöhlen kriechen, um mit Läusen gefärbte Schlabberkleider oder schrumpelige Pastinaken zu erstehen.

Wer also mit dem Öko-Hippie-Klischee konfrontiert wird, hat viele Konter-Möglichkeiten. Etwa die Verarsche: „Stimmt! Das ist nichts für Idioten oder Freunde der Weltkriege!“ Oder: „Nee, das ist doch jetzt für Popper! Das machen jetzt alle. Wie? Du nicht!?“ Natürlich geht auch die kämpferische, mit Argumenten bewaffnete – ein verbales Maschinengewehr, dass die Weltlage runterrattert. Sollte dann aber geladen sein. Mit ungeladenen Waffen fuchteln, das macht man nicht. Gefährlich ist es auch: Ist nah dran am Ökospießer, auch wenn man Recht hat und dabei heute besser riecht. Ich bevorzuge (mit leicht angewidertem Blick) schlicht ein: „Häh? Because it´s 2017.“

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Oda Albers ist freie Journalistin, Textchefin, Hamburgerin, vermutlich Biodeutsche, aus dem Vorort Geflüchtete und kann sich in ökosoziale Themen reinsteigern wie sonstwas, deshalb entwickelte sie mit Kollegen auch 2009 das...

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