Was ist graue Energie und wie lässt sie sich reduzieren?

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Wer umwelt­be­wusst und nach­haltig leben will, achtet darauf, Wass­er und Energie zu sparen. Ein wichtiger Fak­tor, der oft nicht bedacht wird, ist graue Energie. Wir erk­lären, was das ist, wie du deinen Ver­brauch berechnest und wie du graue Energie einsparst.

Wie kann man graue Energie

Das Licht beim Ver­lassen eines Raumes auss­chal­ten, Geräte nicht auf Stand-by laufen lassen, Waschmas­chine und Trock­n­er immer voll beladen – das sind nur einige Tipps zum Energies­paren. Alles wichtige und gute Ansätze, aber sie lassen die graue Energie völ­lig außer Acht. Zwar ist die Indus­trie Hauptver­brauch­er, aber indi­rekt kön­nen wir einen Teil dazu beitra­gen, dass auch hier Energie ges­part und die Umwelt weniger belastet wird. Hier erfährst du alles, was du über das The­ma graue Energie wis­sen musst.

Was ist graue Energie?

Elektrogeraete verbrauchen graue Energie

Energie in Form von Strom kommt nicht nur aus der Steck­dose. Wir ver­brauchen sie auch auf anderen Wegen, beispiel­sweise wenn wir uns ein neues Haushalts­gerät, ein Handy, einen Fernse­her, aber auch Möbel, Klei­dung und Lebens­mit­tel kaufen. Der Ver­brauch ist zwar indi­rekt, aber er wird trotz­dem zu unserem ökol­o­gis­chen Fußab­druck gerech­net, als graue Energie. Was sich hin­ter diesem Begriff ver­birgt, ist ganz ein­fach erk­lärt: Es han­delt sich um den Energie­ver­brauch, der beim gesamten Her­stel­lung­sprozess, der Ver­pack­ung, dem Trans­port, der Lagerung, dem Verkauf und der Entsorgung jedes einzel­nen Pro­duk­ts oder ein­er Dien­stleis­tung entste­ht. Dieser indi­rek­te Energie­ver­brauch, in den anteilig auch die zur Pro­duk­tion benötigten Maschi­nen und Infra­struk­tur mit ein­fließen, wird oft bei der Berech­nung des per­sön­lichen, direk­ten Ver­brauchs vergessen. Rech­net man direk­ten und indi­rek­ten Energie­ver­brauch zusam­men, ergibt sich der kumulierte Energieaufwand (KEA), also die Gesamt­summe an Energie, die wir tagtäglich benöti­gen. Ein Pen­dant zur grauen Energie gibt es übri­gens auch beim The­ma Wasserver­brauch. In unserem Rat­ge­ber „Virtuelles Wass­er: Was ist das?“ erfährst du mehr.

Wie berechnet man graue Energie?

Graue Energie berechnen

Jet­zt fragst du dich bes­timmt, wie man graue Energie berech­nen kann. Diese Frage ist zwar in der The­o­rie leicht zu beant­worten, in der Prax­is wird es jedoch oft schwierig. Das Prob­lem: Es gibt keine offiziellen Para­me­ter, die in die Berech­nung ein­be­zo­gen wer­den müssen. Die Gren­zen, was zu welchen Teilen unbe­d­ingt mit­berech­net wer­den muss, sind fließend. Ein Beispiel: Zu einem pro­duzieren­den Betrieb gehört eine Kan­tine, in der die Mitar­beit­er essen. Da es die Mitar­beit­er zur Her­stel­lung braucht, die diese Nahrung benöti­gen, müsste man deren Ver­brauch an Energie z. B. durch die in der Kan­tine zubere­it­eten Lebens­mit­tel eigentlich eben­falls anteilig in der Gesamt­summe berück­sichti­gen. Aber zu welchem Anteil? Und was ist mit den Arbeit­ern, die nicht in der Kan­tine essen, son­dern sich sel­ber etwas mit­brin­gen? Sie ver­brauchen eben­falls Energie, aber an anderen Stellen. Solche Beispiele find­en sich zu Hauf und machen es schwierig, den genauen Ver­brauch von grauer Energie zu berech­nen. Je nach Quelle bekommst du deshalb unter­schiedliche Angaben über ein und das­selbe Produkt.

Das Sta­tis­tis­che Bun­de­samt errech­net jedes Jahr einen durch­schnit­tlichen Energie­ver­brauch und liefert eine gute Über­sicht. Es gibt uns auch eine Faust­formel zur Eigen­berech­nung mit an die Hand. Dem­nach steck­en hin­ter jedem Euro, den wir aus­geben, zir­ka 3,6 Mega-Joule. Umgerech­net ist das eine Kilo­wattstunde. Das ist natür­lich nur ein grober Mit­tel­w­ert. Vor allem in der Luft­fahrt (25,7 MJ/Euro), im all­ge­meinen Verkehr (16,3 MJ/Euro) und bei der Pro­duk­tion chemis­ch­er Erzeug­nisse (11,8 MJ/Euro) fällt mehr graue Energie an.

In unser­er Über­sicht find­est du beispiel­hafte Pro­duk­te und ihren Ver­brauch an grauer Energie:

Pro­duktVer­brauch graue Energie in kWh
1 Paar Schuhe8 kWh
1 Kilo Schokolade2,5 kWh
500 Blatt recyceltes Papier28 kWh
500 Blatt chlor­frei geble­icht­es Papier41 kWh
Pro­duk­tion eines Computers3.000 kWh
Her­stel­lung eines Kleinwagens30.000 kWh
1 Alu­mini­um­dose5 kWh
1 Quadrat­meter Massivholz340 kWh
1 Quadrat­meter Beton460 kWh

Wie kannst du graue Energie sparen?

Direkte und graue Energie sparen

Wer graue Energie berech­nen kann – sei es auch nur ein grober Mit­tel­w­ert –, der kann auch seinen Ver­brauch reduzieren. Natür­lich ist es leichter, wenn man immer vor Augen hat, was man ver­braucht. Lei­der gibt es keinen Stromzäh­ler für graue Energie. Aber du kannst immer ein paar Dinge im Hin­terkopf behal­ten, die dir helfen, indi­rek­te Energie zu sparen. Hier sind unsere Tipps für dich:

1. Weniger Fleisch essen: All­ge­mein ist die Pro­duk­tion von Lebens­mit­teln ein Energiefress­er. Beson­ders hohe Werte erzielt aber die Fleischin­dus­trie. In den KEA fall­en unter anderem der Ein­satz schw­er­er Maschi­nen, syn­thetisch hergestellte Düngemit­tel für das Fut­ter und die hohen Energieaufwände bei der Hal­tung von Rindern, Schweinen und Geflügel.

2. Regionale und saisonale Lebens­mit­tel bevorzu­gen: Alles, was weite Streck­en zurück­le­gen muss, um von uns kon­sum­iert zu wer­den, hat einen hohen Ver­brauch an grauer Energie. Lange Trans­portwege mit dem Flugzeug, die Pro­duk­tion von nicht-saisonalem Gemüse in Treib­häusern etc. sor­gen dafür. Kauf­st du hinge­gen region­al und saison­al, kannst du deinen indi­rek­ten Energie­ver­brauch und deinen ökol­o­gis­chen Fußab­druck ger­ing hal­ten.

3 . Zero Waste als Ziel: Auch die Entsorgung von Kon­sumgütern kostet Energie. Wir kön­nen unseren Kon­sum nicht völ­lig ein­stellen, aber wir kön­nen vor allem auf nach­haltig pro­duzierte Pro­duk­te acht­en und auch auf unsere Müll­pro­duk­tion. Deshalb öfter mal in Unver­packt Läden einkaufen, wenn möglich auf nach­haltige Ver­pack­un­gen umsteigen, z. B. beim Onli­neshop­pen oder Essenbestellen und Weg­w­er­far­tikel durch lan­glebige tauschen. Tipps, wie du klas­sis­che Zero Waste-Fehler ver­mei­dest, bekommst du von Mia.

4. Mehrwegflaschen statt Ein­wegflaschen: Ein­wegflaschen sind sehr energiein­ten­siv in der Her­stel­lung, selb­st wenn sie voll­ständig recycelt wer­den. Warum? Das Ein­schmelzen beim Recycling-Prozess erfordert das Aufheizen von Glas auf sehr hohe Tem­per­a­turen. Bei anderen Mate­ri­alien wie z. B. PET oder Alu­mini­um sind zwar die benöti­gen Rohstoffe bei der Pro­duk­tion energiein­ten­siv, aber das Recy­cling viel weniger, da die Stoffe schon bei niedrigeren Tem­per­a­turen schmelzen.

5. Repari­eren statt weg­w­er­fen: Um den unnöti­gen Ver­brauch von Energie und Rohstof­fen zu ver­hin­dern und so unsere Umwelt weniger zu belas­ten, soll­ten wir auf Lan­glebigkeit set­zen. Das gilt für Klei­dung genau­so wie für Möbel und Elek­trogeräte. Repari­eren statt weg­w­er­fen! Zer­broch­enes Geschirr kannst du beispiel­sweise deko­ra­tiv kleben. Unsere Kintsugi-Anleitung erk­lärt dir, wie das geht. Hil­fe bekommst du auch in soge­nan­nten Repair Cafés.

Fazit: Graue Energie sparen ist schwierig, aber machbar

Erneuerbare Energie aus Windkraft

Die Ermit­tlung der grauen Energie in Pro­duk­ten geschieht im Rah­men der Erhe­bung von Öko­bi­lanzen, ist jedoch im All­ge­meinen sehr aufwendig. Die Ergeb­nisse kön­nen je nach den Details, z. B. der Her­stel­lung und des Trans­ports von Pro­duk­ten, stark vari­ieren und die benötigten Dat­en zur Berech­nung von grauer Energie sind häu­fig schw­er erfass­bar. Als Faust­formel gilt: Jed­er Euro, den wir aus­geben, ver­braucht durch­schnit­tlich 1 kWh. Sparen kannst du, wenn du region­al sowie saison­al kauf­st, bei Pro­duk­ten wie Klei­dung, Möbeln etc. auf Nach­haltigkeit und Lan­glebigkeit acht­est und ver­suchst, möglichst wenig Müll zu verur­sachen. Denn auch die Entsorgung von Ver­pack­un­gen oder Weg­w­erf­pro­duk­ten kostet Energie.

Internationale Nachhaltigkeit – Vergleich Umweltbewusstsein Deutschland und Großbritannien

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Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein unterscheiden sich von Land zu Land. Wir wagen den Blick über den Ärmelkanal und zeigen, welche verschiedenen Ansätze es in Deutschland und England gibt.

Nachhaltigkeit fuer eine saubere Umwelt

Ich bin vor Kurzem mit meinem Mann aus beruflichen Gründen von Deutschland nach England gezogen. Wir leben nun erst einmal auf unbefristete Zeit im Südwesten der Insel. Auch wenn wir hier erst seit ein paar Monaten wohnen, haben wir im Umgang mit Müll und Plastikverpackungen einige spannende Unterschiede festgestellt. Die möchte ich gerne mit dir teilen.

Nachhaltigkeits-Check Deutschland vs. England: Fakten zu Recycling, Mülltrennung und Emissionen Umweltbewusstsein…

Hej, ich bin Jasmin, frische Hamburgerin und Foodie aus Leidenschaft. Ich liebe es neue vegane und nachhaltige Cafés und Restaurants in Hamburg zu entdecken. Für re:BLOG begebe ich mich außerdem...

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