Der Trend des Teilens: Foodsharing

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Teilen ist im Trend: egal, ob es sich um das Auto, die Wohnung oder Nahrungsmittel dreht. Car- oder Food-Sharing, Mitfahr- oder Mitwohnmöglichkeiten, Couch-Surfing oder Gemeinschaftsgärten sowie Tauschringe oder Verleihstationen für Werkzeuge sind die Hoffnungsträger für eine nachhaltigere und hoffentlich bessere Entwicklung unserer Welt. Menschen wollen Dinge nicht mehr besitzen, sondern an ihnen teilhaben.

Ich bin mal wieder auf dem Weg zu einer sogenannten „Foodsharing“-Ausgabestelle. Jeder ist willkommen. Obwohl ich in den letzten Wochen relativ häufig verschiedene Fair-Teiler in verschiedenen Städten besucht habe, fühle ich mich dennoch immer ein bisschen merkwürdig. Schließlich bin ich nicht im klassischen Sinne bedürftig. Aber ich habe ein Problem damit, dass Nahrungsmittel im Müll landen, während über 800 Millionen Menschen auf der Welt nicht genug zu essen haben.

Aus der Ferne sehe ich eine lange Warteschlange von Menschen vor einem unscheinbaren Gebäude stehen, die sich sowohl durch ihre Nationalität, als auch durch ihre mitgebrachten Einkaufstaschen der bekannten Discounter-Riesen und durch geflochtene Bastkörbe unterscheiden. Dieses Bild ist in allen Städten ziemlich ähnlich. Manche scheinen wirklich bedürftig zu sein. Andere wiederum tragen teure Armbanduhren, Sneakers und Markenbekleidung.

Die Unterhaltungen der Menschen in der Warteschlange in einem Sprachmix aus Englisch, Deutsch und anderen Sprachen drehen sich vor allem um politische und gesellschaftsrelevante Dinge: steigende Arbeitslosigkeit, zu hohe Mietpreise, Hunger, Überfluss sowie die allgemeine Angst vor der Zukunft. Eines dürfte klar sein: Nicht jeder, der hier Lebensmittel abholt, will die Welt retten. Auch ich kann das nicht, selbst wenn ich es wollen würde. Dafür ist die Welt einfach zu komplex. Aber die Tatsache, dass wir in einer Überflussgesellschaft leben, bringt mich hierher.

In der Landwirtschaft werden zum Beispiel Salate untergepflügt, weil sie in Form, Farbe oder Größe abweichen oder zu niedrige Preise erzielen. Oder der Handel entsorgt Lebensmittel kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums. Bäckereien bieten Brot vom Vortag nicht mehr an, sondern werfen es weg. Oder wir als Verbraucher kaufen oder kochen zu viel oder lagern Lebensmittel schlichtweg falsch.

In den Räumen des Fair-Teilers angekommen: ein ähnliches Bild wie in den meisten Städten. Obwohl es für mich nicht das erste Mal ist, dass ich „abgelaufene“ Lebensmittel abhole, bin ich trotzdem nach wie vor sprachlos. Riesige Kühlschränke gefüllt mit unzähligen Nahrungsmitteln: Milch, Joghurt, Frischkäse, Wurst, Käse, Sahne, Pudding, Salat, abgepackte Sandwiches und Kuchen. Eingelegte Paprika, Oliven, Humus, Schokolade und Soft-Drinks.

Ich bin kurzzeitig überfordert, was ich überhaupt brauche. In einem anderen Raum stehen mehrere Tische mit Obst und Gemüse: unzählige Salatköpfe, Paprika, Lauch, Bananen und Äpfel. Und Brot: kiloweise Brot und Brötchen. Alles über dem Mindesthaltbarkeitsdatum, mal zwei oder drei Tage. Manchmal eine Woche. Manchmal auch länger. Nach knapp fünfzehn Minuten bin ich auf dem Weg nach Hause. Mit einer prall gefüllten Tasche.

Nach einer Studie der Universität Stuttgart aus dem Jahr 2012 und gefördert durch das Bundesministerium, wirft jeder von uns pro Jahr durchschnittlich 82 Kilogramm Lebensmittel weg. Das entspricht etwa zwei vollgepackten Einkaufswagen. Oft landen dabei Produkte im Müll, die zwar das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben, aber längst noch genießbar sind. Doch was bedeutet dann das Mindesthaltbarkeitsdatum genau? Das SGS Fresenius Institut definiert es so:

„Das Mindesthaltbarkeitsdatum gibt den Zeitpunkt wieder, bis zu dem ein Lebensmittel unter angemessenen Aufbewahrungsbedingungen seine spezifischen Eigenschaften behält. Nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums ist die Ware nicht automatisch verdorben.“

Auch Tipps findet man hier, woran man erkennt, ob ein Lebensmittel noch verzehrt werden kann. Man kann sich zum Beispiel ganz und gar auf seine menschlichen Sinne verlassen: sehen, riechen, fühlen und schmecken. Solange man bei einem Produkt keine fremden Eigenschaften feststellt, kann man es noch bedenkenlos verzehren. Es macht also nichts, wenn das Brot vielleicht etwas angetrocknet, oder ein Joghurt ein wenig flüssiger geworden ist. Wenn jeder ein bisschen mehr darauf achtet, Lebensmittel nicht sofort wegzuschmeißen, retten wir zwar nicht direkt die ganze Welt, aber wir gehen einen großen Schritt in die richtige Richtung.

Schief ist schön: Essen retten (Teil 2)

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Letzte Woche habt ihr den ersten Teil des Interviews gelesen, welches Susann von Krautkopf mit Lea Brumsack und Tanja Krakowski von CulinARy MiSfiTs geführt hat. Hier folgt nun, wie versprochen, der zweite Teil. Weiter unten erfahrt ihr außerdem, was Zubin Farahani von der Berliner Manufaktur DÖRRWERK mit Obst anstellt, welches wegen kleinster Mängel aussortiert wird. © Culinary Misfits Lea und Tanja, habt ihr das Gefühl, dass das Bewusstsein der Menschen für frisches, gutes und regionales Gemüse wirklich wächst oder ist das aktuelle Interesse ein Trend, der bald wieder vorüber sein könnte? Wir befinden uns sicherlich in unserer eigenen…

Hallo, mein Name ist Michael, ich komme aus dem wunderschönen Bayern und arbeite als freier Journalist, Blogger und DJ. Am liebsten schreibe ich über Reisen, Kultur, Lifestyle, Musik und Mode,...

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