Wann wird Essen schlecht? Mythos Mindesthaltbarkeit

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Die meisten Lebensmittel, die wir einkaufen, tragen ihre Verweildauer für sorgenfreien Genuss quasi wie eine TÜV-Plakette mit sich herum. Und mit dem Einhalten des Mindesthaltbarkeitsdatum (kurz: MHD) verhält es sich ähnlich wie mit dem zeitlich terminierten Autocheck. Wenn wir zwei Wochen nach TÜV-Ende durch die Stadt fahren, wird uns der Pkw nicht unterm Hintern zusammenbrechen. Werden wir allerdings dabei von der Polizei erwischt, gibt es ein Bußgeld von 25 Euro.

Bei abgelaufenen Lebensmitteln treten ganz andere Sittenwächter auf den Plan. „Wie bitte? Wie kannst du nur diesen Joghurt essen, der ist doch schon seit fünf Tagen abgelaufen?!?“, warnen Kollegen und Freunde, wenn uns der Mini-Hunger packt und Alternativen nicht zur Hand sind. Als ob man sich prompt einen tödlichen Virus einfangen würde, weil man den kulinarischen Countdown verschlafen hat.

Was bedeutet das Ablaufdatum?

Die Wahrheit liegt natürlich ganz woanders: Das MHD ist nicht, wie so oft auch allgemeinhin angenommen, das „Ablaufdatum“. Ablaufen tut gar nichts, eher zusammenlaufen. Wenn Milchprodukte und andere Lebensmittel zulange warmen Orten ausgesetzt sind, beschleunigt sich die Produktion von Monokulturen, darunter auch Bakterien, Schimmel oder Pilze, die leider nur selten mit unserem Magen harmonieren. Auch kein Geheimnis: Fallobst unterzieht sich irgendwann einem natürlichen Gärungsprozess, bei dem Alkohol produziert wird.

apfel baum frisch obst fallobst

Das MHD ist zunächst einmal ein grober Gradmesser, der uns Verbrauchern einen Überblick über unsere Ansammlung im Kühl- und Lebensmittelschrank verhelfen soll. Haben Obst, Fleisch oder Gemüse das MHD überschritten, dürfen sie nach dem deutschen Lebensmittelgesetz aber trotzdem noch im Einzelhandel verkauft werden. Und das nicht zwangsläufig zu günstigeren Preisen, obwohl fast alle Einzelhändler genau dies tun, um die Ware schnell vom Hof zu bekommen.

Die Bedeutung des Verbrauchsdatums

Ganz anders verhält es sich mit dem Verbrauchsdatum, woran man sich als Konsument eher orientieren sollte. Die Bezeichnung ist ausnahmsweise wörtlich gemeint: Nach Ablauf des Verbrauchsdatums darf das Lebensmittel nicht mehr verkauft werden und es gehört tatsächlich auf den Komposthaufen. Verbrauchsdatum und MHD dürfen daher nicht verwechselt werden. Was man viel eher im Gedächtnis behalten sollte: Wer Lebensmittel zu früh wegwirft, handelt verschwenderisch.

brot selbstgebacken haltbarkeit lebensmittel

Riesige Mengen an Lebensmitteln werden produziert, verarbeitet, verpackt, transportiert und gelagert – und dann vernichtet. Allein in Deutschland landen jedes Jahr rund 18,4 Millionen Tonnen an Nahrung im Müll. Etwa zehn Millionen davon seien bereits heute vermeidbar, sagt WWF-Referentin Tanja Dräger de Teran. Bitte kurz mal festhalten: Im Schnitt werfen wir also 313 Kilo genießbare Nahrungsmittel unnötig weg – pro Sekunde.

Wie sich graue Theorie in feine Gourmet-Küche umwandeln lässt, beweist das Berliner Restaurant „Restlos Glücklich“ im Stadtteil Neukölln. Hier wird ausschließlich mit Lebensmitteln gekocht, die amderswo auf dem Müll gelandet wären oder deren MHD abgelaufen sind. Ein Großteil der Speisen holt das Kochteam direkt bei Supermärkten ab oder bekommt es gespendet.

restlos glücklich berlin restaurant abgelaufene lebensmittel © Restlos Glücklich

Check-Liste Nahrungsmittel:

  • Brot: Wenn sich Schimmel bildet, sollte man das Brot besser entsorgen. Kleinere Stellen am Rand kann man auch abschneiden und den Rest problemlos essen.
  • Getreide & Müsli: Sobald Schimmelbefall auftritt, auf jeden Fall wegschmeißen, da besonders starke Pilzgifte gebildet werden, die leberschädigend sein können.
  • Nudeln, Reis & Mehl: Kann man auch noch viele Monate nach dem MHD verwendbar. Um sie vor Ungeziefer (etwa Motten) zu schützen, sollten sie gut verschlossen gelagert werden.
  • Milch: Kann man etwa drei Tage lang nach Ablauf des MHD noch trinken. Eine angebrochene Packung H-Milch ist bis zu sieben Tage im Kühlschrank haltbar, Vollmilch etwa drei Tage.
  • Eier: Angst vor Salmonellen? Keine Sorge, Eier sind noch zwei Wochen nach Ende des MHD verwendbar.

Bei vielen Lebensmitteln hilft außerdem ein einfacher Test: anschauen, riechen, probieren. Manchmal sieht man schon auf den ersten Blick, dass etwas nicht mehr gut ist. Wenn das nicht der Fall ist, dann riecht einfach mal an dem Produkt. Alles wie immer? Dann kommt jetzt der Geschmackstest. Verlasst Euch einfach auf Eure Erfahrung und den gesunden Menschenverstand, dann merkt ihr schnell ob ihr ein Lebensmittel noch essen könnt. Ob wir – und wie lange wir – noch Lebensmittel noch verzehren sollten, wissen am besten unsere Sinne selbst.

Aufmacherbild: © Shutterstock

Hallo, ich bin Dörte und darf als Teamleitung Influencermarketing bei OTTO den re:BLOG betreuen, das stylishste Nachhaltigkeitsformat, das ich überhaupt kenne. Ich versuche tagtäglich, das nachhaltige Abenteuer zu leben, als Kleinfamilie mit zwei Kids mein Ökobewusstsein in die echte Welt zu bringen. Sodass alle Familienmitglieder damit gut leben können, Spaß haben und wir alle mit bewussterem Handlungen durch unseren Alltag gehen. Manchmal gelingt es super, manchmal weniger gut. Da ich mich schon mein halbes Leben mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftige, ist es umso schöner, dass ich hier auf dem Blog meine Herzensthemen teilen kann.

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