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Schluss mit Gefangenschaft: Delfine und Wale in freier Wildbahn beobachten

Es muss Ric O’Barry das Herz zerreißen. Damals war er es, der als Tiertrainer für die Fernsehserie Flipper Delfine dressierte und so für die enorme Berühmtheit der Tiere sorgte. Eine Unterhaltungsindustrie entstand, die durch die Profitgier der Akteure beschleunigt wurde. Als ein Delfin während der Dreharbeiten Suizid begann, er hörte einfach auf zu atmen, wurde O’Barry zum beherzten Aktivisten und Tierschützer. Bis heute kämpft er gegen eine Industrie, dessen Katalysator er selbst war.

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Die Dokumentationen Die Bucht und Blackfish machen nachdenklich. Denn sie zeigen eine Welt, die verborgen vor den Augen naiver Touristen liegt. Es wird dokumentiert, wie einzigartige Lebewesen mit komplexer Sprache und einem Bewusstsein, wie es Menschen auch haben, in Betonbecken gesperrt, mit Psychopharmaka behandelt werden und langsam zugrunde gehen. Die Gründe dafür sind Platzmangel, Isolation, Stress, ein fehlendes Sozialleben und eine mangelhafte Ernährung – und alles nur um Delfin- und Orca-Shows zu verkaufen. Umweltschützer raten seit Jahren davon ab Delfinarien und Meereszoos zu besuchen.

Das Ende der Delfinarien?

Bereits seit 1996 ist der Import von Delfinen (und anderen Walen) nach der EU-Richtlinie 338/97 zu kommerziellen Zwecken in der gesamten Europäischen Union verboten. Und auch in den USA sieht es so aus, als ob sich die Zeiten für Delfine und Orcas bessern. In Kalifornien soll ein Gesetz verabschiedet werden, das Orca-Shows verbietet. Seaworld, der größte Betreiber von Delfinarien, hat bereits verkündet die Shows einzustellen – allerdings sollen Orcas weiter zur Schau gestellt werden.

Auch die Zucht der Tiere soll beendet werden. Als das beschlossen wurde, war Orcadame Takara schon trächtig. Am 20. April 2017 wurde ihr Orca-Baby im Seaworld San Antonio in Texas geboren. Wird es der letzte Orca sein, der in Gefangenschaft geboren wird?

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Die Alternative zu Delfinarien: Nachhaltige Walbeobachtung

Bereits heute ist die Walbeobachtung lukrativer als der Walfang. Etwa 2 Milliarden Dollar erzielt die Branche pro Jahr mit 3.000 weltweiten Anbietern und 13.000 Angestellten. Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, um Walbeobachtungen nachhaltig zu gestalten?

Die Tiere sollten in ihrem Lebensraum so wenig wie möglich gestört werden. Es versteht sich von selbst, dass die Tiere für eine Walbeobachtung in freier Wildbahn nicht angefüttert werden dürfen. Weder eine Störung der Tiere, noch eine Abhängigkeit vom Menschen darf entstehen. Die Anzahl der Beobachtungen im offenen Meer sollte je nach Jahreszeit variieren werden und begrenzt sein. Die Annäherung sollte langsam und in größter Sorgfalt erfolgen. Außerdem ist darauf zu achten, dass immer ein ausreichender Abstand zu den Walen gehalten wird. Treten die Wale den Rückzug an, sollte ihnen keinesfalls gefolgt werden. Sind die Wale in der Nähe, ist der Motor des Bootes auszuschalten. Bestenfalls stehen während der Walbeobachtung Möglichkeiten für Forscher bereit um wissenschaftliche Informationen zu sammeln. Außerdem sollten andere kundige Personen an Bord sein, die den Touristen Wissen vermitteln und Fragen klären können. So kann eine verantwortungsvolle Beobachtung der Tiere stattfinden, die Interesse weckt und den Besuchern die Notwendigkeit des Meeresschutzes vor Augen führt.

Detailierter geht die International Whaling Commission auf die Bedingungen nachhaltiger Walbeobachtungen ein.

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Und was ist mit Delfinschwimmen?

In Kenia befragte ich dazu einen Meeresschützer. Schwimmen mit Delfinen ist nur vertretbar, wenn man sich bereits im Wasser befindet und sich die Tiere aus Neugier nähern, wie etwa beim Schnorcheln. Schwimmen mit gefangenen Tieren und das Springen ins Wasser, nachdem man sich mit dem Boot angenähert hat, sollte vermieden werden. Die Tiere sollten selbst entscheiden, ob sie Interesse an der gemeinsamen Aktivität haben.

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Wo sind die besten Spots für Whale Watching?

In Europa sind die Kanarischen Inseln sowie die Azoren bekannt für tolle Begegnungen mit Walen in der freien Natur. Im Frühjahr kann man vor La Gomera (Kanaren) etwa 20 Walarten sehen, darunter auch Pottwale.

Vor Island können Buckel-, Finn- oder Blauwale beobachtet werden. Buckelwale, Zwergwale, Orcas und Delfine sind auch vor der Küste Schottlands anzutreffen.

In Deutschland können vor Sylt zwischen Juni und September Delfine und Schweinswale gesichtet werden.

Außerhalb Europas sind die Küsten der USA, Kanadas, Südafrikas, Australiens und Neuseelands weltbekannt.

Doch bei dem europäischen Angebot ist es gar nicht notwenig so weit für eine Walbeobachtung zu reisen. Und auch der Besuch der Zoos in Nürnberg und Duiburg (Delfine) und des Loro Parques (Orcas) wird somit überflüssig.

Wer mehr für die Tiere tun möchte, sollte über eine Walpatenschaft nachdenken, mit der wichtige Forschungsprojekte finanziert werden.

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