Bewusster Lebensstil: Bin ich eigentlich ein LOHAS?

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Bewusst essen, noch bewusster einkaufen, möglichst ökol­o­gisch wohnen und reisen, damit der Rest der Welt nicht darunter zu lei­den hat und im besten Fall sog­ar davon prof­i­tiert: also konkret strate­gisch kon­sum­ieren. Andere wiederum umschreiben diesen Lebensstil mit poli­tis­chem, ethis­chem, moralis­chem, grünem oder ein­fach gutem Kon­sum. Wer ken­nt das Gefühl nicht, ein beson­ders guter Kon­sument zu sein?

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© Moritz Lorenz

Anstatt mit dem Auto zur Arbeit zu fahren und Unmen­gen an Sprit zu ver­heizen, steige ich deut­lich lieber auf mein selb­staufge­bautes Sin­gle­speed – natür­lich „vin­tage“. In meinem Einkauf­swa­gen im Super­markt lan­den anstatt kon­ven­tioneller Pro­duk­te nur Pro­duk­te aus der Region oder mit zer­ti­fiziertem Bio-Siegel. Zumin­d­est, wenn ich es mir ger­ade leis­ten kann. Und Fleisch und Fisch sind sowieso seit Jahren tabu. Weil es mir ein­er­seits nicht schmeckt und ich die Pro­duk­tions­be­din­gun­gen von Fleisch nicht unter­stützen will.

Ich ver­mute, dass jed­er, der diese Zeilen liest, diesen Moment der Euphorie ken­nt. Jene Gewis­sheit, bezüglich seines Kon­sumver­hal­tens richtig zu han­deln und auf der richti­gen Seit­en zu ste­hen. Und dabei nicht mal auf etwas verzicht­en zu müssen. Ob man dadurch die Welt zwin­gend bess­er machen kann, weiß ich ehrlich gesagt nicht zu hun­dert Prozent. Aber ich bin zumin­d­est der Mei­n­ung, dass es der Schritt in die richtige Rich­tung ist.

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© Vik­tor Hanacek

Anstatt Konsumverzicht bewusster Konsum

Während vor eini­gen Jahren noch die ökol­o­gis­che und soziale Dimen­sion der Waren­pro­duk­tion für viele Men­schen kein The­ma war, befind­en wir uns heute glück­licher­weise immer mehr in ein­er Zeit, in der endlich mehr darü­ber reflek­tiert wird, woher alle unsere Pro­duk­te (also vom T-Shirt bis zum Schweineschnitzel und Smart­phone) herkom­men. Schon lange gilt nicht mehr die „Geiz ist geil“- oder „Ich bin doch nicht blöd“-Mentalität. Heute kön­nte man eher sagen: „Bewusst ist geil“ oder anstatt mehr, ein­fach bess­er kon­sum­ieren. Anstatt auf Kon­sum völ­lig zu verzicht­en, geht es mir vielmehr darum, seinen eige­nen Kon­sum zu hin­ter­fra­gen, ohne auf Genuss, Mode und Luxus zu verzicht­en. Aber dabei nicht zu vergessen, dass man eine ökol­o­gis­che und soziale Ver­ant­wor­tung gegenüber der Welt hat. Und ja: Die Welt ret­ten kann ich alleine sowieso nicht.

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© Foto­lia – rawpixel

Dabei muss man aber immer auf­passen, dass der Kon­sum von teuren, öko-fairen Luxu­sar­tikeln mehr ist als eine egozen­trische Gewis­sens­beruhi­gung und Selb­st­bestä­ti­gung gegenüber seinem sozialen Umfeld. Vor weni­gen Wochen wurde ich von einem Bekan­nten, mit dem ich zum Aben­dessen verabre­det war, gefragt, ob ich ein LOHAS sei. Der Grund sein­er Annahme hing damit zusam­men, dass ich das einzige veg­e­tarische Essen auf der Speisekarte bestellte, lieber Bio-Bier trank und eine Jeans aus nach­haltig pro­duziertem Den­im trug. Im ersten Moment wusste ich selb­st nicht genau, was ich ihm antworten sollte.

Was sind eigentlich LOHAS?

Kurz zur Erk­lärung: Mit LOHAS ist der „Lifestyle of Health and Sus­tain­abil­i­ty“ gemeint, in dem Luxus und Umweltver­ant­wor­tung sich nicht auss­chließen. Also Men­schen, die ver­suchen, möglichst bewusst zu leben und zu kon­sum­ieren, aber wed­er als Gen­er­a­tion noch als soziales Milieu fass­bar sind. LOHAS brin­gen Gesund­heit und Genuss, Lebensstil und Ver­ant­wor­tung in Ein­klang: sozusagen eine neue Konsumavantgarde.

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© Vik­tor Hanacek

„Die Abkürzung ‚LOHAS‘ ste­ht für eine Gruppe Men­schen deren Lebensstil auf Gesund­heits­be­wusst­sein und Nach­haltigkeit aus­gerichtet ist. Aufmerk­sam auf dieses Phänomen wurde der amerikanis­che Sozi­ologe Paul Ray im Jahre 2000. Er beschrieb die Bewe­gung in seinem Buch ‚The Cul­tur­al Cre­atives: How 50 Mil­lion are chang­ing the World.‘ Ange­s­pornt wurde die Rand­gruppe durch Diskus­sio­nen über Kli­maschutzNaturkatas­tro­phen und Gen­ma­nip­u­la­tion. Die zunächst kleine Gruppe aus ‚Kul­turkreativ­en‘ erre­ichte in den ver­gan­gen Jahren immer mehr an Pop­u­lar­ität. So ver­fol­gen allein in Deutsch­land ca. 12,5 Mil­lio­nen Men­schen diesen alter­na­tiv­en Lebensstil.

Die LOHAS haben es sich zur Auf­gabe gemacht, durch geziel­ten Kon­sum von Bio-Produkten und fair gehan­del­ten Waren, die Sit­u­a­tion auf dem Welt­markt nach­haltig zu verbessern. Sie wollen damit bezweck­en, dass Unternehmen trans­par­enter wer­den und umwelt­be­wusster han­deln. Dabei sind sie jedoch weniger politisch-ideologisch als vielmehr sinnlich-ästhetisch ori­en­tiert.“ (Quelle: Lexikon der Nach­haltigkeit)

Meine Antwort

Nach kurzem hin und her Über­legen, kam ich doch zu ein­er Antwort: „Nein, ich glaube nicht.“ Und das genau aus einem Grund. Ich finde, dass es wichtig ist, dass jed­er Men­sch nur für sich allein erken­nen und entschei­den kann, welch­er Lebensstil für ihn passend ist. Sich­er: Die LOHAS-Bewegung vere­int unzäh­lige Teilaspek­te wie: strate­gis­chen Kon­sum, Klima-, Arten- und Umweltschutz, Spir­i­tu­al­ität und Nach­haltigkeit, welche ich toll finde. Und nach denen ich ver­suche zu leben. Aber let­z­tendlich muss jed­er für sich entschei­den, wie er leben möchte. Doch ein­er Sache bin ich mir rel­a­tiv sich­er: je bewusster, desto bess­er ist es!

Oder wie sagte Dale Carnegie so schön: „Ver­giss nicht, Glück hängt nicht davon ab, wer du bist oder was du hast; es hängt nur davon ab, was du denkst.“

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© Foto­lia – Jenko Ataman

Titel­bild © Jor­dan McQueen

Nachhaltig reisen: Fernwandern im deutschen Mittelgebirge

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Trekking im Himalaya, Segeln in Sizilien, Tauchen in Thailand, Wandern auf den Kanarischen Inseln – schöne und spannende Aktivurlaube in der Ferne gibt es viele. Besonders nachhaltig sind sie in der Regel aber leider nicht: Besonders Hin- und Rückreise mit dem Flugzeug lassen unseren CO₂-Fußabdruck ganz schön groß werden. Zu Fuß unterwegs Wer nachhaltig reisen möchte, muss aber nicht auf einen schönen und spannenden Aktivurlaub verzichten. Man kann dies genauso in deutschen Landen tun und zwar nicht nur auf Balkonien. Sogar Johann Wolfgang von Goethe hat hier etwas beizutragen, denn bereits er rief zum Gehen auf: „Nur wo du zu Fuß…

Hallo, mein Name ist Michael, ich komme aus dem wunderschönen Bayern und arbeite als freier Journalist, Blogger und DJ. Am liebsten schreibe ich über Reisen, Kultur, Lifestyle, Musik und Mode,...

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