Das Projekt CUCULA: Refugees Company for Craft and Design

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„Weltweite Katastrophenszenarien sollen uns nicht in Hilflosigkeit versetzen – stattdessen sind Initiativen gefordert.“ So steht es auf der Website von CUCULA. Hinter CUCULA verbirgt sich keine fancy Abkürzung, sondern ein west-zentralafrikanischer Begriff aus der Sprache Hausa. Das bedeutet so viel wie etwas verbinden, zusammenbringen, verknüpfen, gemeinsam machen – aber auch: aufeinander aufpassen. All diese Elemente finden sich im Projekt CUCULA wieder, welches sich schon lange vor der sogenannten Flüchtlingswelle in diesem Sommer pragmatisches Handeln statt theoretischer Debatten auf die Fahnen geschrieben hat.

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© Verena Brüning

Westafrika – Libyen – Lampedusa – Berlin

Angefangen hat alles im Winter 2013. Das Internationale JugendKunst- und Kulturhaus Schlesische 27 entschloss sich dazu, fünf jungen, westafrikanischen Geflüchteten ein „Kälteobdach“ in ihren Räumen in Berlin-Kreuzberg einzurichten. Hunger, Gewalt und Perspektivlosigkeit haben Malik, Moussa, Saidou, Maiga und Ali keine Wahl gelassen. Bereits vor vielen Jahren haben sie ihre Heimatländern Mali und Niger verlassen und versucht, sich in Libyen eine neue Existenz aufzubauen. Bis auch hier 2011 der Krieg ausbrach und sie somit gezwungen waren, in Booten über das Mittelmeer überzusetzen.

„Lampedusa-Flüchtlinge“ – eine Bezeichnung, die schnell dahin gesagt wird. Eine Bezeichnung, über die man gerne die individuellen Schicksale, Lebensgeschichten und Gefahren vergisst, die sich dahinter verbergen. Irgendwie haben sie es geschafft, Malik, Moussa, Saidou, Maiga und Ali, all das hinter sich zu lassen und den weiten Weg nach Berlin anzutreten. Sie sind in Berlin angekommen. Man könnte meinen, sie hätten es geschafft. Doch ohne Arbeitsgenehmigung und legalen Aufenthalt bleiben viele Türen für sie geschlossen.

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© Darwin Merkel


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© Verena Brüning

CUCULA – gemeinsam mit Flüchtlingen eine Zukunft aufbauen

Die Stigmatisierung als Opfer haftet hartnäckig an jedem Flüchtling. Hier kommt CUCULA ins Spiel. Im Kälteobdach der Schlesischen 27 treffen die fünf jungen Männer auf den Produktdesigner Sebastian Daeschle und bauen gemeinsam mit ihm erste Möbel, um ihre Zimmer einzurichten. Die Baupläne entnehmen sie aus dem Buch „Autoprogettazione?“ aus dem Jahr 1974. Geschrieben von Enzo Mari, einem italienischen Designer, enthält es 19 Möbelentwürfe zum Selbstbauen und die Anleitungen überwinden selbst größte Sprach- und Verständigungsbarrieren. Die Idee für CUCULA wird geboren.

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Links © Sally Lazic. Rechts © Verena Brüning


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© Verena Brüning

Plötzlich haben die jungen Männer die Gestaltung ihrer Zukunft wieder selbst in der Hand. Denn CUCULA ist Verein, Werkstatt und Ausbildungsprogramm zugleich. Enzo Mari wird kontaktiert und gefragt, ob seine Baupläne benutzt werden dürfen – das Möbel-Selbstbau-Programm ist sozusagen der Einstieg. Die Flüchtlinge werden nach und nach ausgebildet und eignen sich Wissen über Holzverarbeitung, Konstruktion und Planung an. Sind die Grundlagen gelegt, werden weitere Ideen aus der Kooperation von Flüchtlingen, Designern und Pädagogen entwickelt. Der Erlös aus dem Verkauf der Werkstücke soll dabei für die Finanzierung des Lebensunterhalts und der Ausbildung der jungen Männer sorgen.

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© Verena Brüning


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© Fred Moseley

Wrackteile aus Schiffen von Lampedusa

In den neuen Objekten, die jenseits der Baupläne von Enzo Mari entstehen, verarbeiten die Flüchtlingen teilweise ihre eigene Biographie. In einigen Möbelstücken finden sich Holzteile, die einmal zu Schiffen gehört haben, die auf Lampedusa gestrandet sind. „Es ist Teil unserer Geschichte. Es ist sehr wichtig, dass diese Geschichte nicht vergessen wird“, heißt es im Kampagnenvideo von CUCULA. Und eines wird klar, wenn man in ihre Gesichter schaut: Malik, Moussa, Saidou, Maiga und Ali bauen nicht einfach nur Möbel. Sie bauen ihre eigene, berufliche Zukunft.

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Links © Fred Moseley. Rechts © Verena Brüning


OTTO hilft in Hamburg

Auch in Hamburg, OTTOs Heimathafen, kommen viele Flüchtlinge an und hoffen auf Unterstützung bei ihrem Start in Deutschland. Auch der Bedarf an eine Erstversorgung durch Kleidung ist immer noch groß. Besonders neue, ungetragene Unterwäsche und Winterkleidung fehlt. Hier kann OTTO aushelfen und tätigt somit Sachspenden in den Bereichen, in denen es am meisten mangelt. In der Kleiderkammer in den Messehallen Hamburg laufen alle Fäden für die Sortierung und Verteilung zusammen. Auch die OTTO-Spenden werden über diesen zentralen Knotenpunkt für die Hamburger Hilfe an verschiedene Einrichtungen der Stadt verteilt.

Titelbild © Verena Brüning

Das GOODproduct-Label und WeGreen®

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Globalisierung – die Welt rückt scheinbar immer enger zusammen. Auslandssemester sind fast eine Selbstverständlichkeit, ebenso der dreimonatige Aufenthalt auf einem gänzlich anderen Kontinent. Um internationales und multikulturelles Flair zu erleben, muss man aber auch gar nicht mehr reisen, sondern kann getrost zu Hause bleiben: Der asiatische Supermarkt liegt um die Ecke, die Süßigkeit aus dem letzten Finnlandurlaub ist auch im nächsten Kiosk zu finden und türkische Zeitungen gehören zum Standardsortiment einer Zeitschriftenauslage. Klingt super? Eigentlich schon. Irgendwie aber auch nicht. Für uns als Endverbraucher wird es immer schwieriger nachzuvollziehen, wo unsere Produkte herkommen. Bei der Ernährung kann man sich an…

Hallöchen, ich bin Christina. Ich wollte schon von klein auf die Welt retten. Und zwar die ganze. Zugegeben, das grenzt an Größenwahnsinn. Als ich älter wurde, beschloss ich, erstmal bei...

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