Smart Home: Wenn das Zuhause schlau wird
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Smart Home: Wenn das Zuhause schlau wird

Das vernetzte und intelligente Heim ist Experten zufolge das große Ding der Zukunft. Ein Text über Gründe, Chancen und Risiken.

31.7.2018 Von Kathrin Wittig Lesedauer: 4 Minuten
Sonntagmorgen. In der Küche kocht sich der Kaffee gerade selbst, bestellt während des Duschens, per Smart Speaker im Badezimmer. Die Brötchen im Backofen haben soeben das Stadium perfekter Knusprigkeit erreicht, das Gerät wechselt deshalb von allein in den Warmhalte-Modus. Und der Mixer weiß auch schon Bescheid, dass es an der Zeit ist, den Frühstückssmoothie anzurühren.

Ein Szenario, das wahrscheinlich der eine oder andere auf seine „Es müsste so etwas geben wie …“-Liste setzen würde, also die Aufzählung der Dinge, die erfunden werden müssten, um das Leben noch etwas angenehmer zu machen.

Die gute Nachricht: Es geht los! Die Entwicklungen in Technik und Technologie machen es möglich, dass unser Heim nach und nach so intelligent wird, dass es endlich die Dinge erledigen kann, die bisher unser Zutun benötigt haben. „Smart Home“ heißt das auf Neudeutsch und bezeichnet die „neue Generation der Hausautomation“.

Dahinter steckt die Vernetzung der Wohnung oder des Hauses: Verschiedene Geräte sind über eine Steuerzentrale, die auch Box, Hub oder Gateway genannt wird, mit dem Internet verbunden und lassen sich per digitaler Steuerung statt analoger Schalter bedienen. „Kompatible Geräte können über die Zentrale auch untereinander kommunizieren oder über eine Cloud per App oder Smart Speaker erreicht werden“, sagt Jörg Heinemann, der sich in seiner Rolle als Principal bei OTTO mit digitalen Innovationen beschäftigt, die Auswirkungen auf Sortiment und Einkaufsverhalten haben. Das Funkeln in seinen Augen verrät: Mit ihm haben die neue Technologie und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten einen echten Fan gefunden. Und auch sein eigenes Zuhause in Hamburg hat er mittels Technik bereits aufgeschlaut.

Darüber, was dank Smart Home alles sein könnte, gerät er regelrecht ins Schwärmen: „Von der Küche aus per Sprachsteuerung dem Fernseher im Wohnzimmer mitzuteilen, aufs Wunschprogramm umzuschalten und gleichzeitig die ideale Lautstärke und die Beleuchtung den Lichtverhältnissen angepasst einzustellen, das ist schon ziemlich komfortabel.“ Und wenn der Geschirrspüler weiß, wann die Tabs leer sind und diese dann nahezu selbstständig nachbestellt, ist das vor allem eines: äußerst bequem.

So auch das daraus resultierende, neue Einkaufsverhalten. Denn durch das sogenannte „Internet of Things“ (kurz: IoT, deutsch: Netz der Dinge) kauft im eigentlichen Sinne nicht mehr der Kunde ein – sondern das Gerät. Im Fall der vernetzten Geschirrspüler ist das schon bald möglich; Geräte, die Tabs, Klarspüler und Reinigungsmittel fast automatisch nachbestellen, präsentiert OTTO erstmals gemeinsam mit Bosch auf der diesjährigen Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin, die am 31. August beginnt.

So einfach ist Smart Home mit Bosch & OTTO

Neben Pragmatismus und Komfort stehen bei Smart Home aber auch deutlich existenziellere Aspekte im Fokus: Sicherheit zum Beispiel. Und das Sparen von Energiekosten. „Kameras mit Alarm- oder Benachrichtigungsfunktion bewachen das Zuhause, wenn niemand da ist. Rauchmelder können zum Beispiel so vernetzt sein, dass sie bei Feuer auf den Fluchtwegen das Licht einschalten“, erklärt Jörg. „Und wenn Live-Wetterdaten darüber entscheiden, ob das Bewässerungssystem im Garten anspringt oder nicht, und Helligkeitssensoren die Beleuchtung im Haus steuern, dann führt das nicht nur zu mehr Zeit für die Familie, sondern auch zu einer positiveren Ökobilanz und optimierten Nebenkosten.“

Wo Licht ist, ist auch Schatten!?

Was zu gut klingt, um wahr zu sein, wirft meistens eine Frage auf: Wo ist der Haken? Oder, deutlicher: Hat das vernetzte Wohnen auch Nachteile? „Damit unsere Geräte immer smarter werden, benötigen sie Informationen – dafür sammeln sie Daten“, fasst Jörg zusammen. Und diese Datensammelwut der Hersteller ist vielen Kunden ein Dorn im Auge. Den Schutz der Privatsphäre durch den Schutz der eigenen Daten regelt seit Mai 2018 die Datenschutzgrundverordnung (kurz: DSGVO) neu. „Möchten Kunden eine (…) Weitergabe der Daten ihrer kartierten Wohnung unterbinden, so haben sie zunächst die Möglichkeit, die Einwilligung nicht zu erteilen“, formuliert computerwoche.de in seinem Artikel „Datenschutz: Was darf das Smart Home sammeln?“. Dieser Aussage liegt das Grundprinzip zugrunde, das besagt, dass personenbezogene Daten ohne Einwilligung nicht benutzt werden dürfen.

Ob das Smart Home nun ein Must Have ist oder nicht, müsse jeder selbst entscheiden, meint der Experte. „Während vernetztes Wohnen lange eher etwas für Technikbegeisterte war, ist es durch immer sinnvollere Geräte und Anwendungsmöglichkeiten inzwischen stärker in der Masse angekommen. Weil immer mehr Geräte sowieso online und vernetzbar sind, wird das Interesse der Kunden zukünftig steigen, diese auch sinnvoll untereinander zu verbinden.“

Auf genau dieser Tatsache basiert Jörgs Job bei OTTO: „Wir wollen unseren Kunden das gesamte Produktportfolio im Smart-Home-Bereich und an vernetzten Haushaltsgeräten bieten. Deshalb bauen wir Sortiment und Services hier gerade massiv aus.“ Und das mit Erfolg: Der Verkauf der Smart-Home-Produkte steigt bei OTTO insbesondere seit Mitte vergangenen Jahres deutlich. „Grund hierfür sind auch die wachsenden Möglichkeiten über Sprachsteuerung“, so Jörg. „Digitale Assistenten wie Siri oder Google Assist in Kombination mit Smart Speakern wie Google Home und Apple HomePod haben dem Smart Home in letzter Zeit zu großem Wachstum verholfen – und werden das zukünftig noch viel stärker tun.“

Heute mag es für viele Menschen noch absurd klingen, per Sprachbefehl die Abläufe im Haus zu steuern oder auf diese Weise online zu einzukaufen. „So war das damals beim Smart Phone auch. In Zukunft wird das normal werden – und man wird es auch recht schnell nicht mehr missen wollen“, prophezeit Jörg. Und weiter: „Wir rechnen in diesem Jahr bei Smart-Home-Produkten mit einer Umsatzverdopplung im Vergleich zu 2017. Und das Thema geht gerade erst los.“

Kontakt

Anne Remy
Junior Communications Consultant

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