Wir feiern... das Science-Fiction-Haus der Zukunft
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Wir feiern... das Science-Fiction-Haus der Zukunft

Wie vernetzt ist ein Haus in Zukunft? Was für Gadgets sind im Bereich Smart Home im Jahr 2035 Standard? Wir spinnen einmal rum, und zeigen verrückte und innovative Ideen

04.09.2019 Von Linda Gondorf Lesedauer: 5 Minuten
Es weiß am Morgen, dass ich schlechte Laune habe und stellt dann direkt gute Musik an. Es ordert Lebensmittel, weil es weiß, dass der Kühlschrank leer ist. Es macht einen Termin mit dem Klempner aus, weil es gehört hat, wie ich gestern vor der Waschmaschine laut geflucht habe, dass der Wasseranschluss tropft. Mit „es” meine ich mein smartes Haus. Kleine technologische Helfer erleichtern heute, im Jahr 2035 meinen Alltag. Einen Rundgang durch mein Science-Fiction-Haus

Jahr 2035: Ich kann mir ein Leben ohne mein smartes Zuhause kaum mehr vorstellen, ein vernetztes Haus ist für mich genauso alltäglich wie es damals, 2019, der Gebrauch des Smartphones war, oder noch früher eine Steckdose oder der Kühlschrank. Ich liebe die Vollautomatisierung des Wohnens. Ihr könnt mich einen Tag lang begleiten und ich zeige euch den Alltag in meinem Smart Home.

Es ist 7:30 Uhr am Morgen. Ich werde nicht von einem Wecker aus dem Schlaf gerissen, diese Dinger gibt es schon lange nicht mehr, sondern meine Matratze verrät meinem Körper, wann ich genug geschlafen habe. Die ganze Nacht hat die Matratze und die Uhr am Handgelenk meinen Puls und meine Vitalwerte gemessen. Ich habe mich also reichlich ausgeruht, kann nun aufstehen. Meine Matratze bewegt sich leicht, um mich sanft aus dem Schlaf zu holen. Langsam öffnen sich automatisch meine Vorhänge und lassen die Sonne hinein. Was für ein schöner Tag. Dass es ein guter Tag wird, hat mir am Abend schon mein Spiegel mit den Wetterdaten verraten. Ich gehe zum Schrank. Es ist warm, aber ich habe auch ein Meeting mit Geschäftspartner*innen. Was soll ich also genau anziehen? Das weiß mein Schrank und hat mir schon gestern Abend das perfekte Outfit herausgesucht. Klare Zeitersparnis. Im Bad scannt der Spiegel mein Gesicht, um mir die beste Creme und Make-Up für heute rauszusuchen, währenddessen laufen nebenher die Nachrichten über den Spiegel. Mist, die Zahnpasta ist fast leer. Kein Problem, mit einer Ansage landet die Bestellung in meinem Warenkorb.

Der Screen am Kühlschrank zeigt mir an, was heute dringend gegessen werden sollte. Tomaten und Zucchinis. Sie sind schon ziemlich reif

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Auf dem Weg in die Küche, geht das Licht im Flur an, damit ich nicht falle. Unten sind alle Fenster offen, doch warme Sommerluft zieht nicht hinein, denn mein Haus wird mit kühler, angenehmer, gefilterter Luft geflutet. Herrlich. So heizt sich das Haus gar nicht erst auf. Die smarte Kaffeemaschine hat bereits den perfekten Cappuccino zubereitet. Sie weiß, was ich brauche. Der Screen am Kühlschrank zeigt mir an, was heute gegessen werden sollte. Tomaten und Zucchinis. Sie sind schon ziemlich reif und müssten sonst weggeworfen werden – das will ja keiner. Ein Rezeptvorschlag wird angezeigt und die Einkaufsliste mit den dafür fehlenden Produkten erscheint auf dem Bildschirm – aber auch auf meinem Smartphone und mit einem Klick kann ich nun bestellen, was ich benötige. Mach' ich aber nicht. Denn ich gehe sehr gerne einkaufen, lasse mich inspirieren. Nicht alles muss durch Technologie ersetzt werden, denke ich.

Gestern Abend habe ich vergessen in die Paketbox zu schauen. Ist etwas angekommen? Scheint leer zu sein, denn die Box hat mir keine Nachricht gesendet. Mein Frühstück bereite ich mir gern selbst an meinem Kochtisch vor. Dieser ist entweder Induktionsherd oder Schneidefläche. Durch Kameras und Sensoren erkennt der Tisch, ob eine Pfanne in der Nähe ist und würde sie erhitzen, wenn ich die Eier fürs Rührei aufschlage.


Nach dem Frühstück geht es ab zur Arbeit. Ich habe einen Chip unter der Haut. Dieser dient nicht nur als Schlüssel für mein Haus, meine Garage und mein E-Fahrrad sondern hat auch wichtige Daten wie Blutgruppe und Krankheiten drauf. Man weiß ja nie. Mein Haus ist zumindest sicher vor Einbrüchen und ich kann nie wieder meinen Schlüssel verlegen. Wenn die Eltern oder Freund*innen zu Besuch kommen, gebe ich deren Fingerabdrücke frei, sodass sie mein Haus ohne Probleme betreten können.

Draußen fährt genau in dieser Minute mein selbstfahrendes E-Auto vor – natürlich ausreichend geladen. Ich teile es auch mit anderen. Keiner benötigt mehr ein eigenes. Sharing ist immer noch Trend. Die Anfänge lagen wohl im Jahr 2018 oder 2019, aber das weiß ich nicht mehr so genau, ist schon zu lange her. Auf jeden Fall weiß das Auto, wo ich hin muss und kennt auch meine Termine für den Tag. Während der Fahrt kann ich also schon einmal Unterlagen durchschauen. Gott sei Dank hat sich das mit den Staus erledigt. Die selbstfahrenden Autos sind einfach intelligenter, reihen sich besser ein und kennen Wege, die nicht so stark befahren sind.

Am Nachmittag bin ich schon wieder zurück. Die Konferenz mit meinem Team führe ich von zu Hause, dafür muss ich mich nicht mehr ins Büro begeben. Auf meiner smarten Tapete erscheinen die Kolleg*innen, der Sound kommt aus zahlreichen Lautsprechern, die direkt in den Wänden integriert sind. Im ganzen Haus kann ich sie nun hören, doch sie können natürlich nur ausgewählte Orte sehen – es gibt eine Privatsphäre-Funktion, die Umgebungen ausblendet. Es muss ja nicht jede*r wissen wie ich wohne. Meine Lieblingskolleg*in will mir noch von ihrem Urlaub berichten und entführt mich mit meiner VR-Brille nach Barbados – natürlich in 3D. Wie schön, kurz durchatmen. Meine Uhr gibt mir mit einer kleinen Vibration zu verstehen, dass ich gleich anfangen sollte zu kochen, wenn ich rechtzeitig fertig werden möchte, bevor meine Freund*innen vorbeikommen. Die Terrasse liegt nun Gott sei Dank im Schatten, das geht durch meine Fenster, die automatisch Schatten werfen können. Hässliche Jalousien gehören der Vergangenheit an. Der Rasen wurde natürlich auch vom Roboter gemäht. Alles pikobello. Wenn man mich fragt, welches mein Lieblings-Gadget ist, dann würde ich wohl sagen, die smarte Kaffeemaschine, weil ich ohne Kaffee nicht leben könnte. Aber auch mein smarter Boden, der erkennt, wenn ich stürze und bei einem starken Sturz automatisch den Notruf wählt. Durch meine smarte Uhr wüssten die Sanitäter*innen auch sofort, wie meine Werte in den vergangenen Stunden waren. Da fühle ich mich einfach sicherer.

Das Essen mit meinen Freund*innen war wunderbar. Ich liebe es einfach, wenn die Bude voll ist. Den Abwasch macht immer noch die Spülmaschine. Sie weiß aber zumindest, wann sie neue Tabs oder Spülmittel benötigt und gibt meinem Smartphone dann bescheid. Nun gehe ich aber ins Bett. Morgen habe ich frei. Das weiß meine Uhr und auch meine Matratze schon. Sie haben schließlich den Tag berechnet, an dem ich unbedingt Ruhe benötige. Somit lässt mich die Matratze ein wenig länger schlafen. Morgen suche ich mir dann auch meine Kleidung selbst raus. Manches will ich an einem freien Tag auch einfach mal alleine machen.

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