Hot oder not: Welche Chancen bieten Instant Payments für den Onlinehandel?
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Hot oder not: Welche Chancen bieten Instant Payments für den Onlinehandel?

Der E-Commerce macht sich fit für die Echtzeitüberweisung. Lohnt sich der Aufwand?

9.1.2019 Von Michael Strothoff Lesedauer: 3 Minuten
Mit Instant Payments ist eine Überweisung in Sekunden erledigt und rund um die Uhr möglich – selbst an Sonn- und Feiertagen.

Stand heute: Instant Payments noch wenig attraktiv

Trotzdem nutzt die Mehrheit die schnelle Überweisung heute noch nicht. Dabei ist Instant Payment nicht kompliziert. Wie bei der klassischen Online-Überweisung muss der Nutzer eine Maske mit Empfänger, IBAN, Betrag und Verwendungszweck ausfüllen und den Auftrag freigeben. Der entscheidende Unterschied: Sein Geld trifft nun innerhalb von Sekunden bei dem Empfänger ein. „Instant Payment ist in erster Linie kein neues Bezahlsystem, sondern korrigiert die nicht mehr zeitgemäße Verarbeitung von Banküberweisungen ins digitale Zeitalter“, erklärt Anke Brummack, Analystin Payments bei OTTO. Es ist also eher ein „Gleichziehen“ der klassischen Überweisung mit anderen Direktzahlarten. Mit dem Vorteil, dass Zahlungen sofort auf dem Konto des Empfängers gutgeschrieben werden.

Im Interview:
Im Interview: Anke Brummack, Business Analystin Payments bei OTTO, und Stefan Hölscher, Payments Manager bei der Otto Group, erklären, wie der Onlinehandel von Instant Payments profitiert und wo aktuell noch Herausforderungen liegen.

Dass die Echtzeitüberweisung für viele noch keine Rolle spielt, hat andere Gründe. Der schleppende Einführungsprozess in Deutschland ist einer davon. Erste deutsche Geldinstitute (wie die Hanseatic Bank oder die Sparkassen) bieten Instant Payments zwar schon an, viele Banken arbeiten aber noch an der Umsetzung. Da die Echtzeitüberweisung nur genutzt werden kann, wenn die Bank des Absenders und die des Empfängers diesen Service anbieten, ist diese Art von Bezahlung in vielen Fällen noch nicht möglich. Außerdem verlangen einige Geldinstitute aktuell eine Zusatzgebühr pro Echtzeitüberweisung.

Trotz Paypal - Rechnung weiter beliebt

Obwohl Online-Bezahldienste wie PayPal längst auch den deutschen Markt erobert haben, ist der Kauf auf Rechnung in Deutschland nicht out. Das zeigt eine repräsentative Studie von Kantar TNS im Auftrag des Internethändlers OTTO. Zwar nutzt in Deutschland jeder zweite Online-Shopper häufig den Online-Bezahldienst PayPal, um im Internet zu bezahlen, dahinter folgt aber schon der Kauf per Rechnung. 43 Prozent der Befragten nutzen die Bezahloption regelmäßig. Besonders Frauen bevorzugen die klassische Rechnung. 51 Prozent nutzen den Rechnungskauf, um im Internet zu bezahlen, PayPal verwenden dagegen nur 44 Prozent. Andere Zahlungsweisen werden dagegen nicht so häufig genutzt. Nur jeder Fünfte bezahlt online häufig per Lastschrift, Kreditkarte oder per Direktüberweisung.

Banken und Handel müssen ihre Hausaufgaben machen

Für den Handel ergibt sich ein weiteres Problem: Durch Instant Payments landet das Geld zwar in wenigen Sekunden vom Kunden beim Händler, dieser erhält aber nicht direkt die Information, dass die Zahlung eingegangen ist und kann daher den Vorteil des schnellen Geldes nicht an den Kunden weitergeben. Vorreiter in Deutschland ist hier OTTO. Gemeinsam mit der Otto Group und der Hanseatic Bank ergriff der Onlinehändler die Initiative und entwickelte eine eigene Programmierschnittstelle (API). Mit dieser kann OTTO ab sofort Zahlungen per Instant Payment empfangen und diese direkt mit Kundenservices verknüpfen.

Mit Instant Payments können Nutzer nun sekundenschnell überweisen, ohne ihre Daten einem Drittanbieter zu überlassen.

Anke Brummack, Analystin Payments bei OTTO

Das sieht in der Praxis so aus: Kunden, die per Echtzeitüberweisung bezahlen, bekommen im Gegenzug innerhalb von einer Minute im Kundenkonto angezeigt, dass der Zahlungsvorgang erfolgreich war. „Bei anderen Direktzahlarten ist dies längst gängige Praxis. Mit Instant Payments ist es nun auch beim Rechnungskauf möglich, der bei vielen Deutschen sehr beliebt ist“, erklärt Anke.

Ein weiterer Use Case mit Kundenmehrwert: Bei der Zahlung per Vorkasse oder Anzahlung landet der Geldbetrag binnen Sekunden beim Händler, dieser kann den Auslieferungsprozess direkt einleiten – die Bestellung ist viel schneller beim Kunden. Noch ein Vorteil aus Nutzersicht: „Seine Daten bleiben bei seiner Bank. Er muss sie nicht mehr für eine sekundenschnelle Überweisung einem Drittanbieter überlassen", sagt Anke.

Wenn Instant Payments ins Rollen kommt …

Erledigen Banken und Händler beim Thema Instant Payments ihre Hausaufgaben, also die flächendeckende Verfügbarkeit und eine Nutzung ohne Mehrkosten, besitzt die Bezahlmethode für die Zukunft viel Potenzial. Für Kenner der Branche ist es denkbar, dass Instant Payments das Lastschriftverfahren irgendwann ablöst. Zukünftig sind auch folgende Geschäftsmodelle vorstellbar. So kann eine Eintrittskarte oder die Freischaltung für ein Abo binnen Sekunden gezahlt werden und das Ticket beziehungsweise der Abozugang kommt direkt beim Nutzer an. Oder: Im Bereich der Versicherungswirtschaft beginnt eine abgeschlossene Versicherung automatisch mit dem Zahlungseingang über Instant Payments.

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Frank Surholt
Corporate Spokesman

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Michael Strothoff
Volontär

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