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Voice Commerce: Sind Google Assistant, Alexa und Co. die Zukunft des Online-Shoppings?
Kundenfokus

Voice Commerce: Sind Google Assistant, Alexa und Co. die Zukunft des Online-Shoppings?

12.5.2019 Von Markus Oliver Peitz Lesedauer: 5 Minuten
Der Einkauf per Sprachsuche ist derzeit buchstäblich in aller Munde und wird als der nächste große Trend im E-Commerce gehandelt. Unternehmen wird allenthalben geraten, ihre Internetpräsenzen auf Voice Search zu optimieren, um im Buhlen um die Aufmerksamkeit der User zukünftig Schritt halten zu können. Doch lohnt sich die Optimierung für jeden? Und wie genau wird ein Unternehmen fit für die digitalen Assistenten? Unsere Infografiken klären auf.

Wie wir bereits berichteten, werden digitale Assistenten zukünftig großen Einfluss auf die Art und Weise haben, wie wir online einkaufen. Hier nun weitere spannende Fakten und Hintergründe.

Amazon ist Marktführer, doch Google holt auf

Mit einem Marktanteil von 31,1 % steht Amazon Echo 2018 noch an der Spitze der meist verkauften Smart Speaker. Das Feld ist jedoch umkämpft. Dicht dahinter folgt bereits der Google Assistent. Dieser könnte Amazon Echo schon bald überholen, denn von 2017 zu 2018 hat Google Home ein erstaunliches Wachstum von 109 % hingelegt. Im ersten und zweiten Quartal 2018 lag Googles Marktanteil sogar kurzzeitig vor Amazon. Amazon konnte 2018 um nur rund 10 % am Markt wachsen.

Auf den Plätzen 3 bis 5 versammeln sich Sprachassistenten aus China, die im Übrigen außerhalb der westlichen Welt die Oberhand am Markt haben.

Wie, wo und wann werden Voice Commands genutzt?

Die Smart Speaker von Google, Amazon und Co. sind nicht die einzigen Devices, mit denen kommuniziert wird. Mittlerweile hat jedes Smartphone einen Assistenten, mit dem sich das Handy per Sprache steuern lässt. In einer Studie untersuchte Smart Temple das Nutzerverhalten von mobilen Sprachassistenten und fand heraus, dass Sprachbefehle in den unterschiedlichsten Situationen genutzt werden. Besonders häufig werden Sprachbefehle von zu Hause aus getätigt, aber auch im Büro nutzen knapp 50 % der Befragten den Befehl per Voice. Auf einer Party steuern 42 % ein Gerät per Sprachbefehl. Besonders skurril: Häufig werden Spracheingaben sogar an Orten wie dem Fitnessstudio, öffentlichen Toiletten oder Kinos getätigt.

Am häufigsten werden Sprachassistenten im Smartphone dazu genutzt, Anrufe zu tätigen. 44 % der Nutzer „schreiben“ außerdem Texte per Spracheingabe. Bisher tätigen lediglich 2 % einen Einkauf per Sprachbefehl. Von diesem Anteil sagen zudem 98 %, dass dies eine einmalige Aktion war. Grund dafür ist die (noch) wenig ausgeprägte Option, überhaupt per Sprachsteuerung einkaufen zu können.

50 % der User nutzen die Eingabe per Sprachbefehl, weil sie gerade keine Hand frei haben, 39 % weil sie schmutzige Hände haben. Auch beim Autofahren kommt der Sprachbefehl gerne zum Einsatz. 27 % finden außerdem, dass die Spracheingabe schneller funktioniert als die manuelle Eingabe über den Touchscreen.

Wie funktioniert die Optimierung auf Sprachsuche?

Die Umstellung auf Sprachsuche ist entgegen der landläufigen Meinung kein Hexenwerk. Vieles kann mit ein paar Eingriffen in den vorhandenen Content optimiert werden. Wer seine Inhalte mithilfe strukturierter Daten für Suchmaschinen gut lesbar macht, ist auf die kommende Voice-Search-Ära gut vorbereitet.

#1 Optimierung des Contents auf Fragen und Longtail-Keywords:

Wir sprechen anders, als wir tippen: In ganzen Sätzen. Daher reicht der typische, mit Keywords gefütterte Content nicht aus. Wichtig ist, auf ganze Sätze, Longtail-Keywords und Fragen zu optimieren. Welche Fragen besonders häufig zu einem Keyword gestellt werden, lässt sich beispielsweise mit einem kostenfreien W-Fragen Tool wie answerthepublic.com herausfinden

#2 Optimierung auf Featured Snippets:

Die meisten Antworten von Sprachassistenten stammen von den sogenannten Featured Snippets. So werden die Infoboxen bezeichnet, die bei immer mehr Suchanzeigen direkt auf der Google-Ergebnisseite über den Suchergebnissen auf der sogenannten Position 0 angezeigt wird.

Oft lesen Sprachassistenten die Antworten in den Featured Snippets einfach vor. Wer also seinen Content vorgetragen haben möchte, der versucht, einen der begehrten Position-0-Plätze zu ergattern.

#3 Nutzung Strukturierter Daten:

Inhalte für Google und Co. gut lesbar zu gestalten, gewinnt in der Sprachsuche noch einmal an Bedeutung, da beispielsweise eine genaue Erkennung der Merkmale von Produkten abrufbar sein muss. Daher ist die Optimierung des Contents mittels strukturierter Daten enorm wichtig. Hilfe dabei gibt das Webportal schema.org., das Plattform-übergreifend Applikationen der bekanntesten Suchmaschinen (Google, Bing und auch Yandex) unterstützt und bei der Kennzeichnung und Strukturierung von Inhalten hilft. So können diese optimierten Daten besonders gut von den jeweiligen Suchmaschinen gecrawlt und ausgewertet werden.

#4 Lokale Suche:

Für die Optimierung auf lokale Suche ist die Nutzung von Google MyBusiness unabdingbar. Es lohnt sich, das Unternehmen in verschiedene Listings wie Yelp oder TripAdvisor einzutragen. Viele Informationen, die Google in der lokalen Suche listet, werden aus diesen Daten gezogen.

#5 Buy-it-again-Funktion einbauen:

Wer seinen Kunden die Möglichkeit bietet, durch einen Klick bzw. eine Spracheingabe einen bereits erworbenen Artikel nochmals zu kaufen, kann heute schon den Sprung in den Voice Commerce schaffen. Denn dadurch lässt sich die bislang noch tendenziell umständliche Eingabe der Artikeldetails umgehen. Wer also Artikel anbietet, die regelmäßig erstanden werden, wie beispielsweise Lebensmittel (inklusive Produkten von Lieferdiensten), Batterien oder ähnliches, ist für den Voice-Markt gerüstet.

#6 Schnittstellen zu Sprachassistenten einbauen:

Dies ist vor allem für Händler interessant, denn diese können ihre Geräte so programmieren, dass sie von Sprachassistenten gesteuert werden können.

Für wen funktionieren Voice Search und Voice Commerce besonders gut?

Die Optimierung auf Voice Search lohnt sich (noch) nicht für alle Unternehmen. Wir zeigen, welche Märkte und Zielgruppen heute oder in naher Zukunft bereits mit Voice Search und Voice Commerce erschlossen werden können.

Unternehmen

Besonders lokale Unternehmen können eigentlich schon gestern mit der Voice-Search-Optimierung beginnen. Suchen zu regionalen Themen zählen zu den häufigsten Sprachsucheingaben von Nutzern. Lieferservices besitzen bereits die nötigen Voraussetzungen, den neuen Voice-Markt zu erschließen. Der Pizzalieferant Dominos ist hier ein Vorreiter. Kunden können sich auf der Webseite registrieren und ihr Lieblingsgericht festlegen. So können sie es einfach und bequem jederzeit per Sprachbefehl bestellen. Alexa und Google wissen dann direkt Bescheid, um welches Gericht es sich bei der Bestellung handelt.

Allgemeine, kurze Informationsanfragen, wie die Frage nach dem Wetter oder wie alt Michael Jackson geworden ist, können bereits jetzt einfach strukturiert für die Sprachassistenten bereitgestellt werden. Informationsseiten, wie etwa Wetterdienste, profitieren aus diesem Grund schon jetzt vom Voice-Search-Trend.

Nutzer

Nutzer, die heute schon Sprachbefehle nutzen, stammen meist aus der Generation X, das heißt: Sie wurden in dem Zeitraum ‚frühe 1980er bis späte 1990er‘ geboren und verdienen gut. Die Nutzung von Sprachassistenten stieg in einer Studie von Stone Temple fast proportional zum Einkommen und zum Bildungsstatus. Außerdem nutzen Männer etwas häufiger als Frauen die Sprachsuche.

Die Spracheingabe ist in Zukunft außerdem für blinde oder stark körperlich eingeschränkte Menschen interessant. Dadurch ergeben sich ganz neue Märkte und Zielgruppen.

Im B2B-Bereich wird der Durchbruch im Voice Commerce noch etwas auf sich warten lassen. Da die meisten Menschen nicht im Büro mit ihrem Handy oder Sprachassistenten sprechen, sondern die Suche noch größtenteils vom Desktop-PC geschieht, ist die Optimierung auf Sprachsuche für komplexe B2B-Angebote noch nicht interessant.

Fazit

Es ist wahrscheinlich, dass Voice in vielen Bereichen in naher Zukunft die Suche dominieren wird. Voice Search bietet neue Chancen für Menschen mit starken körperlichen Einschränkungen, zukünftig eigenständig Bestellungen und Suchanfragen zu tätigen. Vor allem kleine und widerkehrende Bestellungen können schon jetzt per Sprachbefehl ausgeführt werden. Dass der Einkauf per Sprachbefehl in naher Zukunft den E-Commerce-Markt bestimmt, ist allerdings unwahrscheinlich. Nutzer möchten gerade bei großen oder persönlichen Anschaffungen das Produkt sehen, bevor sie es kaufen. Das vernetzte Haus, das per Sprachbefehl durch digitale Assistenten gesteuert wird, ist allerdings bereits jetzt vielerorts Realität – ein Zeichen, dass die Sprachsuche ein grundlegendes Bedürfnis des Menschen befriedigt.

Die komplette Infografik mit allen Details findet ihr hier zum Download:

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