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Unsere Arbeitswelt in Post-Pandemie-Zeiten
Kultur

Unsere Arbeitswelt in Post-Pandemie-Zeiten

OTTO-Umfrage zeigt, dass wir in die „alte Arbeitswelt" nicht mehr zurückkehren werden

01.02.2021 Autorin Irene Oksinoglu (Gastkommentatorin) Lesedauer: 3 Minuten
Corona – der Boost für New Work? Auf jeden Fall – aber auch nur, wenn wir für eine Post-Corona-Zeit das positiv Gelernte der vergangenen Wochen und Monate mitnehmen und weiterentwickeln


Was bedeutet eigentlich New Work? Für mich ist New Work lange kein Sammelbegriff mehr, der für neue Arbeitsweisen und -tools steht. Bei New Work geht es vielmehr darum, sich im Job immer wieder neu zu finden und zu definieren. Denn die Welt ändert sich in einem rasanten Tempo – auch dank der Digitalisierungsmöglichkeiten, der Globalisierung sowie der Diversität von Kulturen und Gruppen. Und letztlich auch durch etwas so Einschneidendes wie die Corona-Pandemie. Heute muss ich nicht nur als Individuum immer wieder selbst hinterfragen, was ich will und inwiefern ich mich weiterentwickeln und verändern möchte, sondern muss auch als Unternehmen in die Weiterentwicklung der Menschen und Arbeitsprozesse investieren.

An dieser Stelle möchte ich mit dem großen Missverständnis, New Work sei allein zur Befriedung individueller Wünsche da, aufräumen! Natürlich geht es um die individuelle Weiterentwicklung, jedoch ganz klar im Sinne der eigenen Potenzialentfaltung im Arbeitskontext. Soll heißen: Idealerweise ist die berufliche Aufgabe und der Rahmen genau das, was mich erfüllt, glücklich macht und zur Sicherung des Unternehmenserfolges beiträgt.

Wir haben knapp 5000 Mitarbeitende befragt

Das spiegelt sich auch in den Ergebnissen unserer Umfrage wider, die wir gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut bei OTTO zu dem Thema „Arbeitswelt Post-Pandemie“ durchgeführt haben.
Sie bestätigen mit aller Deutlichkeit, dass wir in die Arbeitswelt, wie wir sie bis noch vor knapp einem Jahr kannten, nicht mehr zurückkehren werden. Ganz im Gegenteil: In der klassischen Bürowelt werden wir uns von der gewohnten Schreibtischkultur und einem Präsenzrhythmus von Montag bis Freitag, 9 bis 17 Uhr, verabschieden. Vertiefende Inhalte zur Umfrage findet ihr auch hier und im Podcast.
Vielmehr werden wir abhängig von den individuellen Rahmenbedingungen, der privaten Lebenssituation und der zu tätigenden Aufgabe multilokal inner- und außerhalb des Büros arbeiten. Das Büro wird zu einem ganzheitlichen Ort der verschiedenen Arbeitsmöglichkeiten und der persönlichen Begegnung – nutzbar für alle. Gleichzeitig ist und bleibt es der zentrale Anker für Identifikation mit der Unternehmenskultur.

Arbeiten auf Distanz bleibt, Arbeiten in Präsenz bleibt

Außerhalb des Büros werden wir verstärkt routinierte, sachliche und konzentrierte, wie auch kreative Einzelarbeit tätigen, wobei ich mich im mobilen Office überall bewegen kann, wo es zur Ausübung meiner Aufgabe am sinnvollsten ist. Also, nicht nur von zu Hause aus – auch wenn das sogenannte „Homeoffice“ unter den aktuellen Umständen im Fokus steht. Reines, dauerhaftes Homeoffice wird den Möglichkeiten des mobilen Arbeitens nicht gerecht und hat mit New Work nichts zu tun (aber das ist ein anderes Thema 😉).

Irene Oksinoglu Wie frei kann das Arbeiten im Unternehmen sein, ohne die betrieblichen Arbeitsabläufe, das Sozialgefüge oder die Freiheit anderer einzuschränken?

Irene Oksinoglu

Wir wissen also: Arbeiten auf Distanz bleibt, Arbeiten in Präsenz bleibt, Virtualität und physischer Raum bleiben und auch Zusammen- und Einzelarbeit wird es weiterhin geben. Na großartig, was ändert sich dann eigentlich? Die Art und Weise der Zusammenarbeit! Denn die Gewichtung von physischer Anwesenheit im Büro und Remote Work wird zukünftig die entscheidende Rolle spielen. Damit wird unser komplettes Verständnis von Arbeit hinterfragt: Wie frei kann das Arbeiten im Unternehmen sein, ohne die betrieblichen Arbeitsabläufe, das Sozialgefüge oder die Freiheit anderer einzuschränken? Und wie arbeitet man multilokal, aber trotzdem noch zusammen?

Um sich diesen Antworten zu nähern, haben wir aus der Umfrage drei verschiedene Arbeitstypen mit unterschiedlichen Ortspräferenzen abgeleitet. Diese bilden gleichzeitig den Mobilitätsgrad unserer Organisation in einer Post-Corona-Zeit ab. Darüber hinaus haben wir Tätigkeiten grob in Profile eingeordnet, um daraus Orientierungspunkte für die weitere Konzeptionierung unseres sehr gut vorausgedachten Multi-Space- und Technologie-Konzeptes abzuleiten.
Wir halten an unseren bewährten, zentralen Werten fest: ortsunabhängiges Arbeiten, transparente und vernetzte Zusammenarbeit, Eigenverantwortlichkeit, Selbstständigkeit und Teilhabe an einer Gemeinschaft. Dabei wird uns ein gemeinsamer Rahmen Orientierung geben, ohne zusätzlich übergeordnet zu viel zu reglementieren. Konkret setzen wir dabei weiterhin auf das aktivitätsbasierte Arbeiten (Activity-Based-Working): Ich wähle im Einklang mit den Arbeits- und Teamprozessen für meine Arbeit exakt den Ort, der zur bestmöglichen Erfüllung meiner Aufgabe am geeignetsten ist (innerhalb und außerhalb des Büros) und wähle dabei die Tools und Methoden, die mich darin bestmöglich unterstützen. Eingerahmt wird das weitergedachte Activity-Based-Working-Konzept dabei von einem hybriden Arbeitsmodell, welches die reale und virtuelle Arbeitswelt effizient und gesund miteinander verbindet. An dieser Stelle ist es wichtig, mutig auch neue Formen der Zusammenarbeit auszuprobieren, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam Leitplanken zu entwickeln – und auch empathisch auf die persönlichen und beruflichen Bedürfnisse der Einzelnen zuzugehen.

An dieser Stelle ist es wichtig, mutig auch neue Formen der Zusammenarbeit auszuprobieren, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam Leitplanken zu entwickeln

Irene Oksinoglu


Denn eines haben die Ergebnisse ganz klar gezeigt: Wir Menschen und unsere Tätigkeitsprofile sind viel zu divers, als dass man für alle Formen der Zusammenarbeit eine pauschale Lösung finden kann. Es ist meiner Meinung nach sogar fahrlässig, das zwanghaft tun zu wollen. Daher ist es umso wichtiger, auch gesellschaftlich und unternehmensweit mehr miteinander darüber zu reden und in den Austausch zu gehen.

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