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Warum ist der Seeweg CO2-effizienter als Fliegen?
Kultur

Warum ist der Seeweg CO2-effizienter als Fliegen?

So wollen wir durch vorausschauende Planung und neue Wege der Logistik unsere Klima-Ziele bis 2030 erreichen

24.11.2020 Von Felicitas Vach Lesedauer: 4 Minuten
Dass Fliegen unserem Klima schadet, ist keine Neuigkeit. Manch eine*r verzichtet deshalb auf den Sommerurlaub im Süden. Um auch unseren Teil beizutragen, nehmen wir uns vor die Luftfracht in unserer Beschaffungslogistik weiter zu reduzieren. Alternativ setzen wir stattdessen auf den Seeweg.

Aber warum stößt ein Containerschiff weniger CO2 aus als ein Flugzeug? Malte Lübbers, Abteilungsleiter Inbound Prozesse bei OTTO, erklärt im Interview gemeinsam mit Dominik Westerholt von unserem Logistikpartner Hermes, wie wir in den kommenden Jahren unsere Klima-Ziele in der Logistik erreichen wollen.

Hallo Dominik, Hallo Malte, was sind wichtige Stellschrauben in der Logistik, durch die wir mehr CO2-Emissionen einsparen können?

MALTE LÜBBERS: In der Beschaffungslogistik ist die Luftfracht sicherlich - vor allem was CO2 anbelangt - der Haupttreiber. Die Luftfracht ist rein aus CO2-Gesichtspunkten immer intensiver als ein Seefrachttransport, insbesondere wenn man es auf das einzelne Teil runterrechnet. Was aber auch wichtig ist: Die Abholungen im nahegelegenen Paketshop, und eine effiziente Tourenplanung sind Beispiele, wie es im Onlinehandel gelingen kann, die Umweltbelastung zu minimieren.

DOMINIK WESTERHOLT: Und in der nationalen Zustellung der LKW. Aber ein dosierter Einsatz im Zusammenhang mit einer entsprechenden Beschaffungs- und Absatzplanung kann grundsätzlich helfen, frühzeitig auf die richten Transportmittel zu setzen.

Durch vorausschauende Einkaufsplanung möchten wir den Luftfrachtanteil immer weiter reduzieren und auf den Seeweg oder die Bahn verlagern.

OTTO Klima-Ziele bis 2030

In den neuen Klima-Zielen bis 2030 haben wir festgehalten: „Durch vorausschauende Einkaufsplanung möchten wir den Luftfrachtanteil immer weiter reduzieren und auf den Seeweg oder die Bahn verlagern.“ Warum ist das ein Schritt in die richtige Richtung?

MALTE: In Ausnahmen wird geflogen, wenn es beispielsweise kurzfristige Nachfrageschwankungen oder Verzögerungen gibt. Es ist eher der Zeitfaktor, der ein Treiber der Luftfahrt ist. Die Seefracht hingegen ist um ein Vielfaches günstiger. Insofern gehen da CO2-Einsparung und Wirtschaftlichkeit Hand in Hand.

DOMINIK: Fliegen ist deutlich teurer und erzeugt mehr CO2 als andere Transportmittel. Für OTTO wird dieses Verkehrsmittel daher auch hauptsächlich bei dringenden Transporten eingesetzt. Und auch die Bahn bietet eine gute Alternative, da die Laufzeiten sich zwischen denen der Luft- und Seefracht bewegen, der CO2-Ausstoß aber deutlich geringer ist als in der Luftfracht.

Die Logistik hinter einem Onlinehandel ist sehr komplex und setzt sich aus vielen einzelnen Prozessen zusammen. Welche Rolle spielt die (Beschaffung-)Logistik in Bezug auf die CO2-Effizienz? Kann man Onlinehandel mit dem stationären Handel vergleichen?

MALTE: Der Unterschied entsteht auf der Absatzseite, also dort, wo die Ware zu den Kund*innen kommt. Wir als E-Commerce-Player verschicken alles direkt nach Hause und der stationäre Handel bringt es in seine Filialen und die Leute kommen dort hin. Zur Klimafreundlichkeit des Onlinehandels hat die Otto Group mit Hermes auch bereits 2015 zusammen mit dem DCTI (Deutsches Clean Tech Institut) eine Studie in Auftrag gegeben, die bestätigt, dass der Transport von Waren vom Händler zu Kund*innen effizienter ist und somit weniger klimaschädliche Gase emittiert als ein Besuch im Geschäft.

Ein gewisser Teil des Einkaufsvolumens bei OTTO kommt aus Asien. Ist die Distanz überhaupt ein wesentlicher Faktor für den CO2-Ausstoß? Oder würde eine Beschaffung aus Europa für etwa gleiche Emissionen sorgen?

DOMINIK: Die Produktion in Asien ist nicht zwangsläufig klimaschädlicher als in Europa. Wenn beispielsweise Ware in der Nähe eines großen chinesischen Hafens produziert wird, per Seefracht nach Hamburg geht und in naher Umgebung eingelagert wird, kann dies einen geringeren Schadstoffausstoß haben als eine Lieferung per LKW, die eine lange Strecke innerhalb Europas zurücklegen muss. Es kommt also eher auf andere Faktoren an, wie die Anbindung und die Auslastung der Transportmittel.

Wir müssen Veränderungen rechtzeitig antizipieren, um die Wünsche unserer Kund*innen erfüllen zu können.

Malte Lübbers, Abteilungsleiter der Inbound Prozesse bei OTTO

Wenn wir nun auf Seefrachttransport anstatt auf Luftfracht setzen, ist eine vorausschauende Einkaufsplanung notwendig. Wie wirkt sich das auf Kund*innen aus? Wird alles teurer und die Lieferfristen länger?

MALTE: Das Ziel sollte sein, dass die Kund*innen die Umstellung des Transports idealerweise nicht merken. Derzeit erwarten wir dadurch keine Preissteigerung, der zeitliche Faktor spielt aber natürlich eine Rolle. Die Seefracht hat bei einer Standardroute aus Fernost bis zum Hamburger Hafen etwa 35 Tage Transitzeit, bei der Luftfracht sind es eher ein bis zwei Tage. Das ist ein deutlicher Unterschied. Wenn Ware vergriffen ist, kann die Wiederbeschaffung durch die Transportzeiten der Seefracht länger dauern. Idealerweise entsteht diese Situation aber nicht, beziehungsweise können wir die Veränderungen rechtzeitig antizipieren. Wir wollen die Ware zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Menge verfügbar haben, um die Wünsche unserer Kund*innen zu erfüllen.

Gebt uns doch zum Schluss noch eine Einschätzung: Sind die Ziele, die wir uns gesetzt haben, bis 2030 erreichbar?

MALTE: Die Ziele, die wir uns als Unternehmen gesetzt haben sind durchaus anspruchsvoll und wir haben auch bereits einiges erreicht. Ich sehe hier aber dennoch das Potenzial für weitere Effizienzsteigerungen und Verbesserungen, unter anderem durch die entsprechenden Planungsprozesse. Daher bin ich überzeugt, dass OTTO die gesetzten Ziele erreichen wird!

DOMINIK: Sie sind definitiv ambitioniert und benötigen einige Schritte bis zu Erreichung. Aus meiner Sicht hat OTTO genau die richtigen Prioritäten gesetzt: Effizienzen steigern und Umweltbelastungen vermeiden und nur dort, wo es dann noch unvermeidbar ist, Kompensation durch nachhaltige Projekte betreiben. Das schmälert aber auf keinen Fall unsere Ambitionen in erster Linie die CO2-Emissionen zu reduzieren. Letztlich sind wir alle in der Verantwortung und in der Pflicht, unsere Umwelt zu schützen.

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