Behind the Meme: wie Harold zur Kultfigur wurde
Kultur im Digitalen

Behind the Meme: wie Harold zur Kultfigur wurde

Hilfe, ich bin ein Internet-Meme!

20.7.2018 Von Nick Marten 1 Kommentar
Wenn András Arató auf seine ihm ganz eigene Art in die Kamera lächelt, dann ist das eine Mischung aus großväterlicher Freude, gezwungener Lässigkeit und vor allem irgendwie qualvoll wirkendem, aber gekonnt weggelächeltem Körperschmerz, bei der man einfach nicht wegschauen kann. András Arató ist eben nicht umsonst als „Hide the Pain“-Harold bekannt geworden.

Angefangen hat das alles mit der Nachricht eines Fotografen, erzählt uns der 73-Jährige aus der ungarischen Kleinstadt Kőszeg. András Arató sei ihm aufgefallen, schrieb er ihm. Auf Urlaubsfotos. Er wolle Stock-Fotos mit ihm machen, also Symbolbilder, die etwa von Magazinen zur Bebilderung von Artikeln eingekauft werden.

András stimmte zu und wurde für den Fotografen zum Arzt, zum Gärtner oder zum Handwerker. Sein Markenzeichen? Ein Lächeln, das irgendwo auf der Strecke zwischen strahlend weißen Zähnen und Augen verloren geht. Die Netzgemeinde entdeckte die Bilder – und interpretierte sie auf ihre ganz eigene Weise. Aus András Arató wurde ein Internet-Meme, also ein Bild, das aus den austauschbaren Symbolfotos Gags und Geschichten macht; einfach weil sich so viel in die Bilder von „Harolds“ mysteriös-vielschichtigem Grinsen hineinerzählen lässt.

"Harold", du bist eine weltweit bekannte Internetfigur. Wirst du oft auf die Memes angesprochen oder sogar auf der Straße erkannt?

Wie sich das anfühlt? Schaut euch meine Fotos doch an ... Spaß beiseite: Es war natürlich am Anfang merkwürdig, auf offener Straße erkannt und angesprochen zu werden. "Hey, sind Sie nicht der Typ aus dem Internet" - das fühlt sich erst einmal komisch an. Aber vor etwa einem Jahr habe ich gemerkt: Wenn ich meine Bekanntheit schon nicht verhindern kann, sollte ich die Situation einfach nehmen, wie sie ist. Und anstatt anderen die Gags und Memes zu überlassen, sollte ich meine eigene Persönlichkeit auf Sozialen Medien aufbauen. Seitdem sprechen mich noch mehr Menschen an und wollen ein Foto mit mir, wollen meine Hand schütteln oder mich auf Facebook oder Instagram adden. Einige wollen mich sogar zu einem Drink einladen.

Kannst du selbst über die Memes lachen? Hast du vielleicht selbst sogar ein Lieblingsmeme?

Ganz ehrlich: Es ist schon ein tolles Gefühl zu wissen, dass so viele Leute mich lieben. Meine Fans machen ja auch weiterhin ihre eigenen Memes, ursprünglich sind sie ja der Erfinder von "Hide the Pain"-Harold. Und meistens muss ich darüber auch echt schmunzeln. Meine Lieblingsmemes abseits der Harold-Bilder wären sicherlich solche, die klassische Kunstwerke nutzen, um pointiert die Unwissenheit und Ignoranz der Gesellschaft aufzuzeigen.

Es gab zuletzt viel Trubel um deine Person. Jetzt spielst du sogar in einem OTTO-Werbespot mit. Hättest du dir das je so vorgestellt und würdest du wieder Stock-Fotos von dir machen lassen?

Vor ein paar Jahren wäre die Vorstellung, in einem Werbespot mitzuspielen, völlig abwegig gewesen. Aber der Dreh mit OTTO hat einfach Spaß gemacht. Wenn ich jetzt noch einmal zu einem Foto-Shooting für Stock-Bilder eingeladen werden würde, dann würde ich wohl nicht nein sagen. Aber ich würde auf jeden Fall den Fotografen sorgfältig aussuchen und mitbestimmen wollen, welche Art von Fotos er oder sie macht.

Seit heute spielt András a.k.a. Harold in einer neuen Werbekampagne von OTTO mit. Und zeigt sich von seinen besten Seiten.

Diskutieren Sie mit ...

Es ist ein Fehler aufgetreten ...

Ihr Beitrag
  • Svenja

    15.8.2018

    Memes finde ich prinzipiell unterhaltsam, kenne auch die Stockphotos von „Herold“, aber der Spot wirkt etwas merkwürdig auf mich.... wie eine Maschine kommt er rüber - weniger witzig.

    Antworten Antworten
    Ihr Beitrag