Coach und Café-Besitzerin: Wie Kristin Jordan zwei Leidenschaften verbindet
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Coach und Café-Besitzerin: Wie Kristin Jordan zwei Leidenschaften verbindet

Kristin Jordan arbeitet zu 90 Prozent bei OTTO, ist vier Tage im Büro und fährt dann in ihr Fairtrade-Ladencafé nach Lüneburg. Das „Avenir“ führt sie gemeinsam mit Freunden.

20.3.2019 Von Linda Gondorf Lesedauer: 5 Minuten
So eine Kaffeezubereitung ist Kunst. Manche würden das zwar nicht unterschreiben, doch ein gut aufgebrühter Kaffee kann den Tag retten – da sind wir uns sicher alle einig. Kristin Jordan macht genau dies in ihrem eigenen Café in Lüneburg: Fair gehandelten Kaffee servieren und verkaufen. In ihrem anderen Leben ist sie Agile Coach bei OTTO. Wie funktioniert ihr Arbeitszeitmodell?

In wenigen Schritten einen perfekten Kaffee zubereiten – mit einer Crema, dicht, goldbraun, schaumig. Egal ob mit der French Press oder der Espressomaschine: So lädt man den Kaffeegeruch ins Wohnzimmer ein – oder geht eben ins Café. In Kristin Jordans Café werden unterschiedliche Zubereitungsformen angeboten. Am wichtigsten dabei ist allerdings nicht das Werkzeug, sondern die Bohne. Die Lühnebohne veränderte im Jahr 2014 Kristins Blick auf Kaffee und den fairen Handel mit diesem Produkt. Sie ist Initiatorin des gemeinnützigen Vereins Lühnebohne e.V., Gesellschafterin des Avenir-Ladencafés in Lüneburg und Agile Coach in der Weiterbildung- und Organisationsentwicklung bei OTTO.

Lünebohne“, „Lünepresso“ und „SchokoLüne

Die Work-Life-4.0-Serie

Die Serie stellt in unregelmäßigen Abständen Persönlichkeiten bei OTTO vor, die für sich ein ganz besonderes Arbeitszeitmodell gefunden haben. Im dritten Teil stellten wir Hasina Lakdawala vor. Sie arbeitet neun Monate und hat drei Monate frei. Was sie dann macht? Lies es gerne HIER nach.

Wenn sich junge Lüneburger in Studienzeiten zusammenschließen, etwas bewegen wollen, entstehen solche Ideen, wie die des Vereins Lühnebohne e.V. Dieser will bewussten Konsum in den Mittelpunkt stellen – mit Bildungsworkshops, Aktionstagen und Infoveranstaltungen – und mit fair gehandelten Produkten. „Wir wollten mit dem Verein fair gehandelten Kaffee nach Lüneburg bringen und damit den Absatz von Fairtrade-Kaffee steigern“, erklärt Kristin, natürlich bei einem Heißgetränk im Café. Doch wie kam es zu der Avenir-Idee? „Natürlich haben wir immer schon rum gesponnen, ob wir nicht ein Ladencafé eröffnen wollen“, erzählt sie an einem Nachmittag im verregneten Hamburg. „Irgendwann war die Gelegenheit da, weil der Eigentümer des Eine-Welt-Ladens im Heinrich-Böll-Haus eine Nachfolge suchte. Er wusste, dass wir uns auch für fairen Handel stark machen, fragte uns und wir sagten Ja.“ Schnell eine GmbH gegründet, um Verbindlichkeit in das Thema zu bekommen und so bauten fünf Freunde im Jahr 2014 in Lüneburg ein Café auf. Bis heute werkeln drei Gesellschafter dort mit, entwickeln es weiter, setzen sich für faire Produkte ein. Es geht ihnen um Werte wie Fairness, Transparenz, Umweltbewusstsein, Regionalität und handwerkliche Herstellung. Im Avenir gibt es direkt gehandelten Filterkaffee, eigens gerösteten „Direct Trade"-Espresso, regionale Milch, selbst gebackenen Kuchen, Biowein und Craft-Bier. Das zapft Kristin jeden Freitagabend bei der Craft-Beer-Kneiperei.

„Vor der Eröffnung war der Laden dunkel und nicht sehr sexy. Wir wollten aber die junge Generation an das Thema heranführen und einen Ort schaffen, an dem Menschen gerne sind“. Das ist der 32-Jährigen und ihrem Team gelungen. Einladend und hell, mit viel Holz und einer tollen Atmosphäre, findet man das Ladenlokal in der Katzenstraße in Lüneburg.

Doch zum Job gehört nicht nur Kaffee ausschenken und Kuchen verteilen. Schließlich macht sich die Buchhaltung nicht von alleine, Rechnungen müssen geschrieben, der Einkauf und neue Konzepte überlegt werden. Kristin schüttelt bei der Aufteilung den Kopf: „Hört sich nach einem Fulltime-Job an. Ist es aber für mich nicht“. Das Avenir ist ihr zweites Standbein, ihre zweite Liebe. Die erste Liebe ist ihr Job bei OTTO.

„Freitags ist sie nie da“

Gelernt hat Kristin im Bachelor Kulturwissenschaften und im Master HR-Management. Nun arbeitet sie seit sieben Jahren beim Hamburger Onlinehändler. „Ich bin ein OTTO-Gewächs, und hier sozialisiert. Vergangenes Jahr machte ich die Agile-Coach-Ausbildung“, und ist nun Teil eines kleinen Teams von Coaches. Sie begleitet Bereiche bei ihrer agilen Veränderung, schätzt ein, wie die unterschiedlichen Reifegrade innerhalb der Teams sind. „Nur weil man Scrum einführt, heißt es noch nicht, dass du agil bist und arbeitest. Sondern dann heißt es nur, dass du eine agile Methodik beherrschst. Ob du wirklich agile Werte lebst, ist noch die andere Frage“, erklärt Kristin. Durch ihre sieben Jahre bei OTTO sieht sie, wie sich das Unternehmen verändert, wie es sich kulturell gewandelt hat. Ihr Arbeitszeitmodell zeigt, wie vielfältig die flexiblen Lösungen innerhalb des Unternehmens sind. „Es ist so schön, dass die Jobs sich so ergänzen und befruchten und ich meine beiden Leidenschaften leben darf.“

Kristin lebt in Hamburg und hat ein WG-Zimmer in Lüneburg – pendelt zwischen zwei Welten. Sie kann sich bis heute schwer entscheiden, wo sie leben will. Das Gute: Sie muss sich nicht entscheiden. Ihre beiden Jobs und ihre Liebe zu zwei Städten lassen sich wunderbar vereinen. Freitags sitzt sie mit Laptop im eigenen Café und arbeitet vormittags für OTTO, nachmittags und am Wochenende schenkt sie Kaffee aus – Avenir-Zeit. Die restliche Woche lebt sie in Hamburg und arbeitet als Agile Coach. Es ist eine flexible Welt in der Kristin lebt. Freitags kommt ein Workshop bei OTTO rein? Kein Problem, dann übernehmen die Kollegen ihre Schicht im Café. Genauso funktioniert es anders rum. Das Rezept: Gleitzeit und ein aufgeschlossenes Team.

100 Prozent Café? Ein No-Go

Speed Date mit Kristin Jordan

Klar ist für Kristin, dass sie auf keinen der beiden Jobs verzichten will. Sie liebt das Café, die wuseligen Tage, den direkten Kontakt zum Kunden. Aber 100 Prozent ins Café stecken, nur noch dort sein? Das kann sich Kristin nicht vorstellen. Für ihre beiden Welten hat sie eine gute Balance geschaffen. Immer wenn sie von ihrem kleinen Ladencafé erzählt, ist es so, als würde sie sich kurz nach Lüneburg träumen. „Bei OTTO ist es Wissensarbeit, im Avenir ist es körperliche. Dort benutze ich viel meine Hände. Denn Kaffee zubereiten ist Handwerksarbeit“, sagt sie und lächelt, als wolle sie es direkt demonstrieren, was sie damit meint. Redet sie von OTTO und dem Kulturwandel, glänzen ihre Augen. Denn das ist ihr Steckenpferd, hier hat sie Expertise und vor allem vermittelt sie das Gefühl, als könne jeder einzelne in diesem Unternehmen etwas verändern. Sie scheint zufrieden mit ihrem Arbeitsmodell. In zwei völlig unterschiedlichen Arbeitsfeldern unterwegs zu sein und Fähigkeiten aus der einen Tätigkeit auf die andere übertragen zu können. Was für ein schönes Modell. Darauf erst einmal einen Kaffee – oder doch lieber ein Craft-Bier.

Kontakt

Eugenia Mönning
Corporate Spokeswoman HR

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